Ansteckende Blutarmut der Einhufer

Aus aktuellen Anlass möchte ich gern das Thema Ansteckende Blutarmut der Einhufer näher betrachten. Zur Vorgeschichte: Am 12.12.2014 erreichte mich folgende Schreckensmeldung „In Adelsberg ist, wie zuvor schon in Neukirchen, die ansteckende Blutarmut bei Einhufern festgestellt worden.“ (Freie Presse) Da ich noch nie zuvor von dieser Seuche gehört habe und Chemnitz nicht weit von mir entfernt liegt, war das Anlass genug, sich mit dem Thema genauer zu befassen.

1. Blutarmut – Was ist das?

Als Blutarmut oder auch Anämie  bezeichnet man das Fehlen von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und damit ein zu geringer Anteil an Blutzellen (Hämatokrit) oder zu wenig roter Blutfarbstoff (Hämoglobin) im Blut. Da die überwiegende Mehrheit der Zellen des Blutes aus roten Blutkörperchen besteht und diese die wichtigsten Aufgaben des Blutsystems übernehmen, nämlich den den Sauerstoff- und Kohlendioxidtransport, gilt die Blutarmut als besonders gefährlich. Wird der Sauerstofftransport beeinträchtigt kann das zum Beispiel zu Symptomen wie Schwindel, Leistungsschwäche, Müdigkeit, Kurzatmigkeit und Herzrasen führen (vgl. Apotheken-Umschau)

2. Ansteckende Blutarmut der Einhufer

Bei der Ansteckenden Blutarmut der Einhufer handelt es sich um eine Virusinfektion bei Pferden, welche mit einer fieberhaften Blutarmut (Anämie) einhergeht und für gewöhnlich tödlich endet. Da infizierte Tiere lebenslang Virusträger bleiben, gibt es keine Chance auf Heilung. Sie ist in Deutschland eine anzeigepflichtige Tierseuche und wird in der Liste der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) geführt. Infizierte Tiere müssen zum Schutz vor einer Ausbreitung getötet werden. Auf den Menschen lässt sich die Virusinfektion nicht übertragen. Der Viruserreger verfügt über eine besonders hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen, denn in getrocknetem Blut bleibt er beispielsweise bei Zimmertemperatur etwa 7 Monate infektionsfähig. Kälte beeinflusst das Virus kaum und direkte Sonneneinstrahlung inaktiviert es innerhalb weniger Stunden. Die Übertragung der Erreger kommt vor allem über virushaltiges Blut zustande. Blutsaugende Insekten (Bremsen, Stechmücken und Stechfliegen) stellen dabei die größte Übertragungsgefahr dar (vgl. TSK).

3. Krankheitsbild

Die Inkubationszeit kann zwischen einigen Tagen und sechs Wochen liegen. Die Blutarmut gilt als das Hauptsymptom und diese kann nur im Labor sicher festgestellt werden. Es treten bei  30-90 % der Fälle keine Krankheitssymptome, was die Krankeit besonders gefährlich macht (vgl. FLI, 2011)

Äußere Krankheitsanzeichen sind laut Angaben der Tierseuchenkasse (TSK):

  • Fieber bis 42°C
  • Appetitlosigkeit
  • Schwäche, Zittern, schwankender Gang
  • Angelaufene Gliedmaßen bzw. Flüssigkeitsansammlung (Ödeme) am Unterbauch oder Schlauch u. dadurch bedingte Schwellungen
  • Abmagerung
  • Konditionsverlust
  • Gelbe bis blasse Schleimhäute
  • Punktförmige Blutungen auf den Schleimhäuten

4. Bisherige Fälle in Deutschland (nach FLI, 2010)

Jahrgemeldet Fälle nach (TSN)
19983
19991
20021
20067
20072
200810
20094
201013

5. Einschleppungsweg

Laut dem Risikobewertungsbericht des FLI stellt vor allem der Import infizierter Pferde aus Rumänien einen Hauptfaktor der Einschleppung dar. In Rumänien tritt die Pferdeseuche vor allem im Jahr 2007 mit 795 gemeldeten Fällen deutlich öfter auf, als in Deutschland. Legale Pferdekäufe werden streng kontrolliert, so muss beispielsweise seit 2007 jedes Pferd eine Tiergesundheitsbescheinigung gemäß der Richtlinie 90/426 erbringen, um überhaupt nach Deutschland einreisen zu dürfen. Leider kann diese Verordnung kein Einschleppen des Viruserregers durch illegal überführte Pferde verhindern, so wurde im Jahr 2010 beispielsweise bekannt, dass eine Pferdehändlerin mindestens von 2008 bis 2010 mehr als 100 Pferde illegal von Rumänien nach Deutschland gebracht hat (vgl. FLI, 2010).

6. Derzeitiges Infektionsrisiko

Da im Winter der Hauptübertragungsweg durch Insekten ausfällt, ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung eher gering einzuschätzen, sofern man mit dem Pferd nicht verreist und auch keine neuen Pferde, dabei vor allem Pferde aus betroffenen Regionen oder besonders aus Rumänien, in den Stall kommen (vgl. FLI, 2010). Ein Impfstoff gegen die Ansteckende Blutarmut der Einhufer gibt es noch nicht. Aus aktuellem Anlass der Vorfälle sollten vor allem in den betroffenen Bundesländern Tierhalter auf den Zukauf und die Neueinstallung von Pferden im eigenen Bestand vermeiden. Pferdekontakte auf Turnieren, Märkten oder ähnlichen Veranstaltungen sind ebenfalls zu vermeiden. Sind dennoch Einstallungen oder Zusammenkünfte von Pferden unterschiedlicher Herkunft geplant, kann ein negativer Coggins-Test, der nicht älter als 14 Tage sein soll, eventuell in Verbindung mit einem amtstierärztlichen Gesundheitszeugnis eine gewisse Sicherheit bieten (vgl. TSK)

 


Quellen:

 

Apotheken Umschau. (2005). Blutarmut. Verfügbar unter:http://www.apotheken-umschau.de/Anaemie-blutarmut

Freie Presse. (2014). Pferdeseuche erreicht Chemnitz. Verfügbar unter: http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/TOP-THEMA/Pferdeseuche-erreicht-Chemnitz-Zwei-Tiere-in-Sperrbezirk-getoetet-artikel9062111.php

Säschsische Tierseuchenkasse – TSK. Equine Infektiöse Anämie (EIA) oder Ansteckende Blutarmut der Einhufer. Verfügbar unter: http://www.tsk-sachsen.de/index.php/pferdegesundheit/81-equine-infektioese-anaemie-eia-oder-ansteckende-blutarmut-der-einhufer

Friedrich Löffler Institut – FLI (2011). Ansteckende Blutarmut der Einhufer in Deutschland. Verfügbar unter: http://www.fli.bund.de/no_cache/de/startseite/aktuelles/tierseuchengeschehen/ansteckende-blutarmut-der-einhufer-in-deutschland.html

Friedrich Löffler Institut – FLI (2010). Risikobewertung. Einschleppung der Ansteckenden Blutarmut der Einhufer nach Deutschland über das Verbringen lebender Einhufer aus Rumänien. Verfügbar unter: http://www.fli.bund.de/fileadmin/dam_uploads/tierseuchen/Blutarmut/Risikobewertung%20Ansteckende%20Blutarmut%2001%2010%202010.pdf