Buchrezension: Der letzte Mustang

Der Journalist und Autor Peter Clotten setzt sich bereits seit vielen Jahren für den Schutz der Mustangs in den USA ein. Für sein neustes Buch: Der letzte Mustang bereiste er die USA und studierte dort das Leben der Wildpferde. An seiner Seite der renommierte Fotograf Tony Stromberg . Dadurch ist das Buch auch optisch ein absolutes Highlight.


Das Buch erscheint im Großformat mit Hardcover Einband und umfasst 256 Seiten. Es ist umfassend bebildert und enthält dabei trotzdem umfangreiche Textpassagen. Ich würde es deshalb eher zu den Fachbüchern, als zu den Bildbänden zählen. Inhaltlich befasst sich das Buch mit der Geschichte der Mustangs, deren Lebensweise, die Vorstellung von den 8 größten Herden in den USA, der Debatte um die Zukunft der Wildpferde, sowie mit den Organisationen, die sich dem Schutz der Tiere verschrieben haben. Aufgrund der ausführlichen Beschreibungen der natürlichen Lebensweise und der Herdenstrukturen liefert das Buch auch jede Menge Fachinformationen, die nicht nur für Mustangfans wertvoll sind.

1) Geschichte der Mustangs

Die ersten Pferde wurden nach den Überlieferungen mit Christoph Columbus im 15 Jh. nach Amerika gebracht. Der Autor beschreibt auf eine spannende und dennoch lehreiche Art und Weise, wie der scheinbar pferdeleere Kontinent zu Spielwiese für zahlreiche unterschiedliche Mustangstämme wurde.

„In Wildpferdherden kann man deshalb heute all diese Rassen wiederfinden: das spanische Pferd, den feinen Araber und den zehen Berber. Und natürlich einen Anteil fast jeder beliebigen Rasse, die im Laufe der Jahrhunderte den Weg in die Freiheit gefunden und sich einer Wildpferdeherde angeschlossen hat: entlaufene Pferde der US Kavallerie, der Farmer und Rancher, darunter Kaltblüter, Maultiere und Esel.“ (Clotten & Stromberg, 2017, S. 22)

Auch erklärt er die unterschiedliche Bedeutung der Pferde für die amerikanischen Ureinwohner und die Siedler. Vor allem die Indianer profitierten stark von den neuen Möglichkeiten zu Pferd. Egal ob für die Jagd, die Reise oder für den Krieg, die „großen Hunde“ wurden zu wichtigen Stammesmitgliedern (vgl. Clotten & Stromberg, 2017, S. 27).

Doch so schnell wie sich die Siedler auf den Ländereien ausbreiteten, so schnell wuchsen auch die wilden Mustangherden. Schnell entfachte ein Streit um wertvolles Ackerland für Vieh und Landwirtschaft, den viele große Mustangherden mit dem Leben bezahlen mussten (vgl. Clotten & Stromberg, 2017, S. 29). Ein Konflikt, der noch bis heute andauert. Noch immer gibt es regelmäßig Proteste für und gegen die Wildpferde von Amerika. Der Autor erklärt sehr ausführlich die verschiedenen Stationen und Beschlüsse dieser verzwickten Diskussion.

2) Wie Mustangs leben

Der Autor beschreibt in diesem Kapitel sehr anschaulich wie die Mustangs im Einklang mit der Natur und ihrer Umgebung leben, wie sie sich auf wechselnde und teils harte Bedingungen anpassen und wie sie innerhalb einer Herde ihr Zusammenleben gestalten. Besonders interessant ist die natürliche Balance zwischen der Erhaltung des Lebensraumes und des Überlebens in der harten und rauen Umgebung. Erneut zeigt sich hier, wie intelligent Pferde doch sind.

„Langsam grasend legen sie pro Tag eine Strecke von 40 bis 50 Kilometer zurück. In Zeiten großer Trockenheit können es auch bis zu 100 km sein.“(Clotten & Stromberg, 2017, S. 46)

Der Autor zeigt vor allem auf, wie wichtig es ist, dass die Tiere in ihrem natürlichen Umfeld in völliger Unbelassenheit leben dürfen. Menschlicher Einfluss stört die sensible Beziehung zwischen Pferd und Umwelt und schwächte damit die Überlebensfähigkeit der Tiere.

Besonders ergreifend ist die Geschichte, als der Autor einer Mustangherde beachtlich nah kam und sogar von ihr akzeptiert wurde. Die Beschreibung seines Vorgehens und die Reaktion der Pferde zeigen erneut, wie anmutig und feinfühlig diese Wesen doch sind.

3) Die Mustangherden

In liebevollem Detailreichtum beschreibt der Autor die einzelnen verbliebenen Mustangstämme. Er zeigt ihre Abstammung und ihre Besonderheiten auf, geht dabei jedoch auch auf die tragischen Schicksale in ihrem Ursprung ein. Egal ob Choctaws, Kiger, Nokotas oder Pryor-Mountains die Quintessenz ist deren Einzigartigkeit, die sich durch die Unterschiede in der Abstammung, die Lebensbedingungen in dem jeweiligen Gebiet, aber auch durch die geschichtlichen Umstände herausgebildet hat.

„Trotz aller widrigen Umstände setze sich unter den Cowboys mit der Zeit der gute Ruf der Choctaws durch. Einer der ihren, Choctaw Indianer namens Hal Brame, hatte erheblichen Anteil daran. Mit seinem Mustang „Ind’n Pony“ gewann er ein 50-Yard-Rennen nach dem anderen.“ (Clotten & Stromberg, 2017, S. 102)

4) Der letzte Mustang

In seinem letzten Kapitel zeigt der Autor die gesetzlichen Schranken der amerikanischen Wildpferde auf. Er beschreibt sehr detailliert den immer währenden Konflikt zwischen Farmern, Behörden und Tierschützern und die Konsequenzen für die unschuldigsten unter Ihnen – die Mustangs. Ohne die vehemente Arbeit der Tierschützer gäbe es heute kaum noch Raum sie. Besonders ergreifend in diesem Kapitel ist die Beschreibung des Vorgehens, bei den Treibjagden. Als Außenstehender kann man sich die Gleichgültigkeit und die Grausamkeit der Umstände kaum vorstellen:

„Die Wrangler von heute sind Profis, die ihren Job genau kennen. Trotzdem darf man sich nicht von den Bildern stolz galoppierender Mustangs bei einem Zusammentrieb täuschen lassen. Die älteren und schwächeren, die Stuten mit Fohlen, die lahmenden, das sind die, die zuletzt ankommen und von denen keine Bilder mehr veröffentlicht werden. Manche von ihnen wurden einfach zu Tode gehetzt, manche sterben kurze Zeit später.“ (Clotten & Stromberg, 2017, S. 207)

Die kühle Distanz zu den geschriebenen Worten rührt mich beim Lesen sehr. Ein jeder weiß im Grunde, wie es den Tieren dabei ergeht und dennoch wird es akzeptiert.

Der Autor schließt sein Buch mit der Vorstellung von wichtigen Organisationen, die sich dem Schutz und dem Erhalt der Mustang gewidmet haben. Ich möchte den verbliebenen Platz in dieser Rezension dafür nutzen, um die Kontaktdaten der Organisationen zu teilen.

American Wild Horse Preservation Campaign

Black Hills Wild Horse Sanctuary

International Society for the protection of Mustang and Burros

Return to Freedom – The American Wild Horse Sanctuary

The Cloud Foundation

The Mustang Center

Wild Burro Rescue

Wild Sanctuary

Fazit

Abschließend lässt sich über das Buch: Der letzte Mustang sagen, dass er viel mehr als nur ein Bildband über die schönen Wilden des Westens ist. Es ist eine wunderschöne Kombination aus atemberaubenden Fotografien, wichtigen Fakten und harten Wahrheiten. Ich muss zugeben, dass ich mich als Pferdefreund sehr angesprochen fühle. Auch wenn die Mustangs aus abstammungshistorischer Sicht nicht als „echte“ Wildpferde zählen, so haben sie den anderen doch einiges Voraus. Die unendlichen Weiten, die das Amerikanische Land mit sich bringt, die Vegetation und die klimatischen Bedingungen stellen besondere Herausforderungen an die Tiere und an das Zusammenleben mit dem Menschen. Da Buch regt auf jeden Fall zum Nachdenken an und bietet einen wunderschönen Überblick über die Thematik. Dabei ist es sehr ehrlich geschrieben und verharmlost nicht etwa die teils grausamen Fakten. Ein Muss für den informierten Pferdefreund!

 

Infos zum Buch
Originaltitel:Der letzte Mustang
Autor:Peter Clotten & Tony Stromberg
Verlag: Müller Rüschlikon Verlag
Ort: Stuttgart
Jahr:2017
ISBN: 978-3-275-02090-4