Buchrezension: Horse Walking von Kerstin Diacont und Jürgen Kemmler

Die Autorin Kerstin Diacont arbeitet bereits seit mehr als 25 Jahren mit einem ganzheitlichen Ausbildungskonzept von Pferd und Reiter. Dabei greift sie auf ihr umfassendes und vor allem reitweisenübergreifendes Wissen zurück. Besonders bekannt ist auch ihre 3 teilige Videoserie zum Thema „Reiten lernen“.  Letztes Jahr habe ich bereits ihr Buch: Horsemanship-Training (Die Reitschule) (zur Rezension) vorgestellt und jetzt folgt ihr neustes Buch, dass sie gemeinsam mit Jürgen Kemmler rausgebracht hat: Horse Walking: Reiter und Pferd gemeinsam aktiv am Boden.


Das Taschenbuch im Softcover-Einband umfasst 159 Seiten. Es ist dabei sehr umfassend bebildert und in einem ansprechenden Design gestaltet. Die 12 Kapitel lesen sich sehr flüssig und schnell – so konnte ich das Buch an 2 Abenden durchlesen. Dabei sind die Trainingsansätze und die meisten der beschriebenen Übungen sehr einfach und bildlich erklärt und dadurch sehr gut nachvollziehbar. Es geht im Wesentlichen um das Thema Bodearbeit, egal ob Longe, Spazieren, Trail- oder klassische Bodenarbeitsübungen. Dabei wird auch die mentale Seite im Bereich der Aufmerksamkeitskontrolle, Fokuslenkung, Angstbewältigung und Körpersprache sehr eingehend betrachtet. Sehr schön sind in jedem Kapitel die blauen Kästchen, die grob die Lerninhalte beschreiben – das schafft eine sehr gute Übersicht.

 

Teil 1 – Grundsätzliches, Ausrüstung, Körpersprache usw. (Kapitel 1-6)

Im ersten Teil des Buches geht es um die notwendigen Grundlagen in der Erziehung im Miteinander mit dem Pferd, aber auch um die Grundlagen beim Reiter selbst – mentale Einstellungen, Gedanken, Ängste etc. werden hier sehr umfassend betrachtet.

„Pferd und Mensch bilden ein geschlossenes System in Bewegung, vergleichbar einem Tanzpaar.“ (Diacont & Kemmler, 2017, S.10)

Zu Beginn werden einige grundsätzliche Ideen zur gemeinsamen Arbeit beschrieben. Dabei werden viele gute Standpunkte aufgezeigt und erläutert, wie z.B. sich auf das wesentliche konzentrieren, die komplexen Übungen in kleine Teilschritte zerlegen, sich stehts weiterbilden und gelerntes hinterfragen – Gewohnheiten auch mal ablegen können, sich selbst emotional zu kontrollieren und Fehler auch mal zuzulassen. Auch der Standpunkt, dass das Pferd im Grunde immer richtig handelt und wir deshalb eher von erwünschten und unerwünschten Verhalten sprechen sollten, wird eingehend erläutert. Im weiteren Abschnitt zeigen die Autoren zudem noch auf, wie wichtig es ist, den Ausbildungsstand, den Charakter und die Bedürfnisse des Pferdes zu verstehen und zu respektieren – nur so können Erfolge im Training erzielt werden (vgl. Diacont & Kemmler, 2017, S.14ff).

Im folgenden Abschnitt wird das Thema Ausrüstung behandelt. Dabei werden verschiedene Varianten, wie das Knoten- und das Gurthalfter, der Kappzaum, das Sidepull, der Leitstrick und die Longe vorgestellt und deren Verwendung erläutert. Auch weiterführende Ausrüstungsgegenstände, wie der Longiergurt, die Doppellonge und Ausbindervarianten werden vorgestellt und deren Verwendung erläutert.

Anschließend geht es im folgenden Abschnitt um die notwendigen Grundlagen in der Beziehung zwischen Mensch und Pferd.

„Fehlende Autorität oder Charakterschwäche kann bisweilen in menschlicher Gesellschaft lange durch Äußerlichkeiten überspielt werden, bevor sie entlarvt wird. Pferde hingegen entdecken Schwäche eines Artgenossen, aber auch Schwächen an ihrem menschlichen Partner sehr schnell, weil sie sich nicht durch Statussymbole blenden lassen.“ (Diacon & Kemmler, 2017, S.35)

Die vorgestellten Grundsätze und Regeln sollen dem Menschen helfen ein entspanntes Miteinander aufzubauen, um somit die Grundlage für die weitere Arbeit zu schaffen. Anschließend wird die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter eingehend erläutert. In diesem Kapitel wird vor allem deutlich, wie wichtig die inneren Bilder und mentale Einstellungen bei der Verständigung mit dem Pferd sind. So mag es bei der Kommunikations zwischen Menschen egal sein, ob man das eine sagt und das andere meint – das Pferd hingegen durchschaut das sofort und ist dann zu recht verwirrt:

„Beispiele: Wer das Pferd an der Longe in den Galopp bringen will, darf keine Angst davor haben, bei höheren Geschwindigkeiten die Kontrolle zu verlieren.“  (Diacon & Kemmler, 2017, S.42)

Sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, beharrlich an dem Gewünschten festhalten und dennoch seine Emotionen kontrollieren können – das sind weitere Ansätze aus diesem Kapitel.

Der folgende Abschnitt betrachtet die körperlichen Grenzen von Pferd und Mensch und geht dabei vor allem auf die Fitness ein. Ziel soll es sein, dass der Mensch rechtzeitig erkennt, wann es genug ist. Somit sollen negative Erfahrungen durch Überforderung verhindert werden. Meiner Meinung nach ein sehr wichtiger Aspekt, der häufig ausgelassen wird.

Anschließend werden im nächsten Kapitel noch Regeln für das Training im Gelände vorgestellt. Dabei geht es im Wesentlichen um Verbote und Gebote, sowie Sicherheitsregeln im Dunklen, beim Anbinden, Erste Hilfe etc.

Teil 2 – Übungsteil

Hier erklären die Autoren zu Beginn den Unterschied zwischen Bewegung und qualitativer Bewegung. Dabei geht es zunächst um den Menschen. Die eigene Körperbeherrschung und -spannung sind in diesem Abschnitt zentrale Thematiken. Zudem werden auch Yogaübungen zur eigenen Vorbereitung gezeigt. Diesen Abschnitt finde ich besonders spannend und lehrreich.

Auch geht dieses Kapitel erneut auf die inneren und mentalen Bilder ein. Vor allem die wichtigen Fokuspunkte werden hier erneut vorgestellt.

„Die Kontrolle des Pferde spielt sich weitgehend im Kopf des Menschen ab: Innere Bilder und Gedanken steuern die Körpersprache. Mit unserer Gedankenkraft steuern wir die Energie im System >>Mensch plus Pferd<<. […] Gedankenkontrolle ist angesagt. Vermeiden Sie negative Bilder. Wer im Kopf hat >>hoffentlich scheut er nicht vor dem Traktor<< beschwört Scheuen geradezu herauf.“ (Diacon & Kemmler, 2017, S.75)

Die eigenen Gedanken steuern und die Körpersprache- und -spannung gezielt einsetzen – diese Thematik wird hier ausführlich besprochen.

Anschließend geht der Fokus zum Pferd über. Dessen Aufmerksamkeit soll erreicht und abgerufen werden. Nur so ist eine zielführende Arbeit möglich. Im Anschluss an die Übungen ist eine Belohnung erforderlich – hier zeigen die Autoren verschiedene Varianten mit und ohne Futter auf. Ebenso erläutern Sie Aspekte der positiven und der negativen Verstärkung.

Ab Kapitel 9 werden dann alle möglichen Bodenarbeitsübungen vorgestellt. Darunter das Heranholen, Wegschicken, Rückwärtsrichten, verschiedene Führpositionen, Hinterhand- und Vorhandwendungen, Seitengänge, Schulterherein und Schenkelweichen. Im Anschluss geht es in Richtung Longentraining und freie Roundpen Arbeit. Alle vorgestellten Übungen werden bildlich und verständlich erklärt, einige dabei etwas ausführlicher als andere – was ich persönlich schade finde. Gerade die schwierigeren Übungen, wie das Schulterherein kommen sehr kurz – und es fehlen die passenden Bilder zur Verdeutlichung.

Im Kapitel 10 folgen weitere Übungen die mehr in Richtung Trail und Gelassenheit gehen. Verschiedene Parcoursvarianten und Trailhindernisse werden hier aufgezeigt und die dazugehörige Übung erklärt. Im Anschluss leiten die Autoren zum Geländetraining über. Auch die Thematik des Verladens in den Pferdehänger wird kurz vorgestellt – diese Übung ist wiederum sehr schön bebildert und dadurch ausführlich nachvollziehbar.

Zum Ende zu werden noch weitere Parcoursideen vorgestellt.

Fazit

Das Buch stellt eine gute Auswahl an unterschiedlichen Übungen und Beschäftigungsideen vom Boden aus vor. Dabei werden viele wichtige Grundlagen zur Erarbeitung der einzelnen Schritte vorgestellt und auch Lösungen, für mögliche Probleme aufgezeigt. Der wichtige Aspekt der eigenen Gedanken, der Aufmerksamkeit und des eigenen Fokus wird ebenfalls umfassend dargestellt. Dieses Teil fand ich persönlich am spannendsten.

Wenn man den Titel des Buches liest – so ging es jedenfalls mir – erwartet man irgendwie in gewisser Weise etwas Neues – Aufregendes. Ich für meinen Teil befasse mich sehr eingehend mit dem Thema Bodenarbeit und Arbeite auch sehr viel im Gelände, dabei gehören Körpersprache, Gehorsam und Gymnastizierung für mich zum alltäglichen Training dazu. Deshalb konnte dieses Buch mir persönlich leider nicht sehr viel Neues vermitteln. Gerade die Übungen sind einfach alle aus jeglicher Bodenarbeitslektüre bekannt. Und die schwierigeren Übungen, die wirklich auf Gymnastizierung abzielen sind leider viel zu kurz und mit wenig Tiefe erklärt. Für Bodenarbeitsanfänger oder auch für Menschen, die neue Inspiration suchen, ist es sicherlich dennoch sehr lehrreich. Trotzdem sind die Kapitel zum Thema mentaler Fokus und Kommunikation mit dem Pferd sehr spannend und auch für fortgeschrittene Leser empfehlenswert – schade ist nur, dass der Titel des Buches dieses thematischen Schwerpunkt nicht wirklich rüber bringt.

Ebenfalls verwunderlich fand ich die „Kooperation mit Krämer“ – so wurde eigens für das Horse Walking – Konzept eine Ausrüstungslinie kreiert. Jedoch konnte ich – außer bei dem Gertenstick mit den wechselbare Spitzen – wenig neues erkennen. Derartige Kappzaumvarianten gab und gibt es bereits – und wie man bereits auf dem Titelbild des Buches sieht – verrutscht das Nasenstück sehr stark, sodass eine präzise Einwirkung nicht möglich ist. Schade – es gibt da weitaus bessere Kappzäume / Semikappzäume. Positiv anmerken möchte ich jedoch, dass die Autorin auch auf andere Ausrüstungsvarianten eingeht und deren Wirkungsweise beschreibt – so kann der Leser selbst entscheiden, womit er arbeiten möchte.

Insgesamt ein gutes Buch, dass wichtige Aspekte der mentalen Einstellung bei der Kommunikation mit dem Pferd aufzeigt und  zahlreiche Übungen, sowie Bodenarbeits-Basis-Wissen vermittelt. Es ist somit eher für Anfänger der Materie geeignet – wobei wie bereits erwähnt die mentalen Aspekte auch für Fortgeschrittene Leser interessant sein können.

Infos zum Buch
Originaltitel:Horse Walking – Reiter und Pferd gemeinsam aktiv am Boden
Autor:Kerstin Diacont & Jürgen Kemmler
Verlag: Müller Rüschlikon
Ort: Stuttgart
Jahr:2017
ISBN: 978-3-275-02029-4

Buchrezension: Sicher & frei reiten – mit Natural Horsemanship

Jenny Wild und Peer Claßen – eine Natural Horsemanship Trainer Familie wie aus dem Bilderbuche. Gemeinsam mit Ihrem Sohn Henry begeistern Sie auf Ihren Kursen und auf Messen mit harmonischen Freiheitsdressur- und Bodenarbeitsvorführungen. Ihr Fokus liegt dabei stets auf einer tiefen Vertrauensbasis zwischen Pferd und Mensch. Die Grunddevise ist dabei stets der faire und respektvolle Umgang mit dem vierbeinigen Freund auf Basis des Natural Horsemanships. Nach dem ersten gemeinsamen Bestseller: Übungsbuch Natural Horsemanship (zur Rezension) und dem sehr emotional geschriebenen Buch von Jenny Wild: Von Pferden lernen, sich selbst zu verstehen: Durch Selbsterkenntnis zum Pferdeverständnis (zur Rezension) folgt jetzt der nächste große Hit.

In ihrem neusten Buch: Sicher und frei reiten mit Natural Horsemanship erklären die beiden in gewohnter fairer Manier eine etwas andere Art des Reitens. Sicher, frei, respektvoll und ohne Zwang leiten die Autoren Schritt für Schritt von der Bodenarbeit nach NHS zum Reiten über.


Das Buch im Hardcovereinband umfasst 199 Seiten. Die Schrift ist etwas kleiner, sodass neben der gewohnt umfangreichen Bebilderung umfassende Textpassagen für sehr viel Lesestoff sorgen. Zusätzlich zum Buch gibt es wieder 10 selbst produzierte Videoanleitungen, die via Kosmos App sehr unkompliziert abgerufen werden können. In den 6 Kapiteln des Buches werden Schritt für Schritt die Grundlagen der Ausbildungsmethode erklärt. Dabei richtet sich das Buch sowohl an Anfänger, als auch an erfahrene Pferdemenschen. Ebenso kann die Vorgehensweise für junge, sowie für bereits ausgebildete Pferde angewendet werden.

Kapitel 1 & 2: Hilfsmittel und Vorbereitung

Zu Beginn erklären Jenny und Peer ihre favorisierte Ausrüstung für die weiteren Trainingsschritte. Wie auf dem Cover zu erkennen, wird hier vorwiegend mit einem Knotenhalfter geritten. Dadurch, so die Autoren, können jegliche Signale unvermittelt und 1 zu 1 übertragen werden. Besonders hervorheben möchte ich das Thema gebisslos Reiten:

„Freiheit bringt Sicherheit? Dieser Gedanke lässt bestimmt viele Reiter erbleichen. Ganz besonders im heutigen Zeitalter von Helmen, Sicherheitswesten, Protektoren, Hilfszügeln und Durchgängergebissen.“ (Wild & Claßen, 2017, S.5)

„Man kann es nicht oft genug betonen: Nicht Kraft, Hebelwirkung und kleinliche Kontrollen machen uns sicher, sondern die Verständigung und eine wirkliche Verbindung zum Pferd können Gefahren wirksam minimieren. Ein Pferd, das mitdenkt, sich sicher fühlt und sich entspannen kann ist eine viel effektiviere Lebensversicherung als ein scharfes Gebiss und Kontrolle durch Schmerz. Gebisse deswegen generell zu verteufeln, ist sicher nicht die einzig logische Konsequenz. Auch mit einem Gebiss kann man sicher und fein reiten. Trotzdem haben wir uns entschieden, unsere Pferde gebisslos zu reiten […]“ (Wild & Claßen, 2017, S. 15)

Im Anschluss an die passende Ausrüstung folg die korrekte Basis vom Boden aus. Dabei werden erneut fundamentale Trainingsschritte aus dem vorherigen Buch Übungsbuch Natural Horsemanship (zur Rezension) aufgegriffen und kurz erklärt. Dabei wird vor allem deutlich, wie wichtig eine ausgewogene Bodenarbeit für die späteren Arbeitsschritte vom Sattel aus ist. Mit den Schlagworten Energie, Fokus, direktes & indirektes Gefühl, der Steigerung von Energie, Fragen zu Ende stellen und zu guter letzt das passende Timing – werden nochmal kurz die Grundlagen wiederholt und anschaulich erklärt.

Kapitel 3: Sicher in den Sattel

Dieses Kapitel hat mich gleich gefesselt. Angst ist ein häufiger Begleiter beim Reiten – nicht jeder hat sie – doch viele werden wissen, wie es sich anfühlt Angst auf dem eigenen Pferd zu bekommen. Wie man sich selbst wirklich sicher fühlen kann und dem Pferd dadurch die notwendige Sicherheit übertragen kann, erklärt dieses Kapitel. Dabei werden durch konsequente aber dennoch stets faire und feinfühlige Trainingseinheiten Methoden ausgezeigt, die für die unverzichtbare Kontrolle beim Reiten sorgen. Auf der Basis der seitlichen Halsbiegung und der Verschiebung der Hinterhand, kann das Pferd auch in brenzlichen Situationen zuverlässig angehalten werden. Wie genau man diese Variante des „Not Stops“ trainiert und was es dabei unbedingt zu beachten gibt, damit es auch funktioniert erfährt man auf den folgenden Seiten des 3. Kapitels.

 

„Kopf einschalten – Der größte Vorteil liegt jedoch nicht darin, dem Pferd kräftemäßig überlegen zu sein – das sind wir auch mit der Biegung der Längsachse nicht. Das Schöne ist vielmehr, dass sich beinahe unmittelbar mit der körperlichen auch die mentale Starre auflöst und ihr Pferd Ihnen zuhören kann.“ (Wild & Claßen, 2017, S. 48)

Ein weiterer Pluspunkt in diesem Kapitel stellt die Idee mit den Checklisten dar. Ein häufiger Fehler im Pferdetraining ist die Tatsache, dass man zu schnell zu viel verlangt und das Training damit unkoordiniert und ineffektiv wird. Durch die Verwendung von Checklisten kann man sich vorab genau das Vorgehen überlegen und Schritt für Schritt abarbeiten. Im Buch wird das Vorgehen anhand der Thematik „Satteln“ erklärt und eine Beispielcheckliste vorgestellt.

Kapitel 4 & 5: Grundübungen und Zusammengesetzte Übungen

Jetzt wird es ernst. Die nachfolgenden Übungen vom Sattel aus zeigen Stück für Stück wie es geht. Harmonisch, sicher und frei reiten beginnt bereits bei der Basis – das losreiten und anhalten.

„Nicht ziehen und nicht treiben – das sind Voraussetzungen für eine gemeinsame, harmonische Bewegung. Der Grundstein dafür liegt in weichen Übergängen.“ (Wild & Claßen, 2017, S. 97)

Nachfolgend wird der Schwierigkeitsgrad langsam gesteigert: Rückwärtsrichten, Vorhand- und Hinterhandwendung und Gangartwechsel werden ausführlich behandelt. Dabei wird ein besonderer Fokus auf den Sinn und das Ziel der jeweiligen Übung gelegt. Auch mögliche Probleme und Fehler werden erläutert und deren Lösung dargelegt.

Im 5. Kapitel werden durch anschauliche Übungen mentale Bilder vermittelt und somit der Fokus auf eine gymnastizierend spur sichere Reitweise gelegt. Durch verschiedene Fokuspunkte kann somit effektiv gerade oder im Kreisbogen geritten werden. Ganz ohne Zwang und starke Zügeleinwirkung lernen damit Pferd und Reiter harmonisch zu agieren.

„Das Pferd lernt, größtenteils selbstständig einen Zirkel beizuhalten. Es achtet auf ihren Fokus und lernt, „auf dem Kreis bzw. an einem Kreis zu denken“.“ (Wild & Claßen, 2017, S.164)

Kapitel 6: Weitere Herausforderungen

Durch genügend Abwechslung und steigende Anforderungen bleibt das Pferd motiviert und die Vertrauensbasis wird mit jeder neuen Herausforderung gestärkt. So gibt das letzte Kapitel zahlreiche Ideen für weitere Trainingseinheiten. Egal ob Hindernisse, das Weglassen von weiterer Ausrüstung und gezielter gymnastizierender Übungen – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. So stellt auch das 6. Kapitel ein I-Tüpfelchen und damit einen gelungenen Abschluss des Buches dar.

Fazit

Abschließend kann ich nur sagen: Bravo! Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einem fairen und artgerechten Umgang mit Pferden. Die tiefgründige und fachlich kompetente Verbindung aus Bodenarbeit und deren Übertragung in den Sattel ist hier durchaus gelungen. Einen Pluspunkt gibt es vor allem für die gebisslose Reiterei und die umfassende und gut durchdachte Bebilderung in Kombination mit den tollen Lehrvideos.

Ich kann es nicht leugnen – ich bin ein absoluter Fan von Jenny Wild und Peer Claßen. Bereits die ersten zwei Bücher haben mich tief bewegt und mein Verständnis vom Umgang mit meinem Pferd komplett verändert. Die beiden haben einfach so eine unglaublich tiefgreifende und dennoch stets faire und offene Art zu schreiben. Obwohl Sie sich dem Natural Horsemanship verschrieben haben, verteufeln Sie keine andere Denkweisen. Nein ganz im Gegenteil, Sie weisen sogar ausdrück daraufhin, dass verschiedene Ansätze zu kombinieren zum Erfolg führen kann. Es gibt nur wenig Pferdebücher, deren Worte ich vollends zustimmen kann. Doch dieses Buch zählt definitiv dazu. Ich kann nur jedem Pferdemenschen raten – lesen & ausprobieren – ihr werdet genauso begeistert sein, wie ich.

Infos zum Buch
Originaltitel:Sicher & frei reiten – mit Natural Horsemanship
Autor:Jenny Wild & Peer Claßen
Verlag: KOSMOS
Ort: Stuttgart
Jahr:2017
ISBN: 978-3-440-14595-1

Komplette Reihe:

Buchrezension: Der letzte Mustang

Der Journalist und Autor Peter Clotten setzt sich bereits seit vielen Jahren für den Schutz der Mustangs in den USA ein. Für sein neustes Buch: Der letzte Mustang bereiste er die USA und studierte dort das Leben der Wildpferde. An seiner Seite der renommierte Fotograf Tony Stromberg . Dadurch ist das Buch auch optisch ein absolutes Highlight.


Das Buch erscheint im Großformat mit Hardcover Einband und umfasst 256 Seiten. Es ist umfassend bebildert und enthält dabei trotzdem umfangreiche Textpassagen. Ich würde es deshalb eher zu den Fachbüchern, als zu den Bildbänden zählen. Inhaltlich befasst sich das Buch mit der Geschichte der Mustangs, deren Lebensweise, die Vorstellung von den 8 größten Herden in den USA, der Debatte um die Zukunft der Wildpferde, sowie mit den Organisationen, die sich dem Schutz der Tiere verschrieben haben. Aufgrund der ausführlichen Beschreibungen der natürlichen Lebensweise und der Herdenstrukturen liefert das Buch auch jede Menge Fachinformationen, die nicht nur für Mustangfans wertvoll sind.

1) Geschichte der Mustangs

Die ersten Pferde wurden nach den Überlieferungen mit Christoph Columbus im 15 Jh. nach Amerika gebracht. Der Autor beschreibt auf eine spannende und dennoch lehreiche Art und Weise, wie der scheinbar pferdeleere Kontinent zu Spielwiese für zahlreiche unterschiedliche Mustangstämme wurde.

„In Wildpferdherden kann man deshalb heute all diese Rassen wiederfinden: das spanische Pferd, den feinen Araber und den zehen Berber. Und natürlich einen Anteil fast jeder beliebigen Rasse, die im Laufe der Jahrhunderte den Weg in die Freiheit gefunden und sich einer Wildpferdeherde angeschlossen hat: entlaufene Pferde der US Kavallerie, der Farmer und Rancher, darunter Kaltblüter, Maultiere und Esel.“ (Clotten & Stromberg, 2017, S. 22)

Auch erklärt er die unterschiedliche Bedeutung der Pferde für die amerikanischen Ureinwohner und die Siedler. Vor allem die Indianer profitierten stark von den neuen Möglichkeiten zu Pferd. Egal ob für die Jagd, die Reise oder für den Krieg, die „großen Hunde“ wurden zu wichtigen Stammesmitgliedern (vgl. Clotten & Stromberg, 2017, S. 27).

Doch so schnell wie sich die Siedler auf den Ländereien ausbreiteten, so schnell wuchsen auch die wilden Mustangherden. Schnell entfachte ein Streit um wertvolles Ackerland für Vieh und Landwirtschaft, den viele große Mustangherden mit dem Leben bezahlen mussten (vgl. Clotten & Stromberg, 2017, S. 29). Ein Konflikt, der noch bis heute andauert. Noch immer gibt es regelmäßig Proteste für und gegen die Wildpferde von Amerika. Der Autor erklärt sehr ausführlich die verschiedenen Stationen und Beschlüsse dieser verzwickten Diskussion.

2) Wie Mustangs leben

Der Autor beschreibt in diesem Kapitel sehr anschaulich wie die Mustangs im Einklang mit der Natur und ihrer Umgebung leben, wie sie sich auf wechselnde und teils harte Bedingungen anpassen und wie sie innerhalb einer Herde ihr Zusammenleben gestalten. Besonders interessant ist die natürliche Balance zwischen der Erhaltung des Lebensraumes und des Überlebens in der harten und rauen Umgebung. Erneut zeigt sich hier, wie intelligent Pferde doch sind.

„Langsam grasend legen sie pro Tag eine Strecke von 40 bis 50 Kilometer zurück. In Zeiten großer Trockenheit können es auch bis zu 100 km sein.“(Clotten & Stromberg, 2017, S. 46)

Der Autor zeigt vor allem auf, wie wichtig es ist, dass die Tiere in ihrem natürlichen Umfeld in völliger Unbelassenheit leben dürfen. Menschlicher Einfluss stört die sensible Beziehung zwischen Pferd und Umwelt und schwächte damit die Überlebensfähigkeit der Tiere.

Besonders ergreifend ist die Geschichte, als der Autor einer Mustangherde beachtlich nah kam und sogar von ihr akzeptiert wurde. Die Beschreibung seines Vorgehens und die Reaktion der Pferde zeigen erneut, wie anmutig und feinfühlig diese Wesen doch sind.

3) Die Mustangherden

In liebevollem Detailreichtum beschreibt der Autor die einzelnen verbliebenen Mustangstämme. Er zeigt ihre Abstammung und ihre Besonderheiten auf, geht dabei jedoch auch auf die tragischen Schicksale in ihrem Ursprung ein. Egal ob Choctaws, Kiger, Nokotas oder Pryor-Mountains die Quintessenz ist deren Einzigartigkeit, die sich durch die Unterschiede in der Abstammung, die Lebensbedingungen in dem jeweiligen Gebiet, aber auch durch die geschichtlichen Umstände herausgebildet hat.

„Trotz aller widrigen Umstände setze sich unter den Cowboys mit der Zeit der gute Ruf der Choctaws durch. Einer der ihren, Choctaw Indianer namens Hal Brame, hatte erheblichen Anteil daran. Mit seinem Mustang „Ind’n Pony“ gewann er ein 50-Yard-Rennen nach dem anderen.“ (Clotten & Stromberg, 2017, S. 102)

4) Der letzte Mustang

In seinem letzten Kapitel zeigt der Autor die gesetzlichen Schranken der amerikanischen Wildpferde auf. Er beschreibt sehr detailliert den immer währenden Konflikt zwischen Farmern, Behörden und Tierschützern und die Konsequenzen für die unschuldigsten unter Ihnen – die Mustangs. Ohne die vehemente Arbeit der Tierschützer gäbe es heute kaum noch Raum sie. Besonders ergreifend in diesem Kapitel ist die Beschreibung des Vorgehens, bei den Treibjagden. Als Außenstehender kann man sich die Gleichgültigkeit und die Grausamkeit der Umstände kaum vorstellen:

„Die Wrangler von heute sind Profis, die ihren Job genau kennen. Trotzdem darf man sich nicht von den Bildern stolz galoppierender Mustangs bei einem Zusammentrieb täuschen lassen. Die älteren und schwächeren, die Stuten mit Fohlen, die lahmenden, das sind die, die zuletzt ankommen und von denen keine Bilder mehr veröffentlicht werden. Manche von ihnen wurden einfach zu Tode gehetzt, manche sterben kurze Zeit später.“ (Clotten & Stromberg, 2017, S. 207)

Die kühle Distanz zu den geschriebenen Worten rührt mich beim Lesen sehr. Ein jeder weiß im Grunde, wie es den Tieren dabei ergeht und dennoch wird es akzeptiert.

Der Autor schließt sein Buch mit der Vorstellung von wichtigen Organisationen, die sich dem Schutz und dem Erhalt der Mustang gewidmet haben. Ich möchte den verbliebenen Platz in dieser Rezension dafür nutzen, um die Kontaktdaten der Organisationen zu teilen.

American Wild Horse Preservation Campaign

Black Hills Wild Horse Sanctuary

International Society for the protection of Mustang and Burros

Return to Freedom – The American Wild Horse Sanctuary

The Cloud Foundation

The Mustang Center

Wild Burro Rescue

Wild Sanctuary

Fazit

Abschließend lässt sich über das Buch: Der letzte Mustang sagen, dass er viel mehr als nur ein Bildband über die schönen Wilden des Westens ist. Es ist eine wunderschöne Kombination aus atemberaubenden Fotografien, wichtigen Fakten und harten Wahrheiten. Ich muss zugeben, dass ich mich als Pferdefreund sehr angesprochen fühle. Auch wenn die Mustangs aus abstammungshistorischer Sicht nicht als „echte“ Wildpferde zählen, so haben sie den anderen doch einiges Voraus. Die unendlichen Weiten, die das Amerikanische Land mit sich bringt, die Vegetation und die klimatischen Bedingungen stellen besondere Herausforderungen an die Tiere und an das Zusammenleben mit dem Menschen. Da Buch regt auf jeden Fall zum Nachdenken an und bietet einen wunderschönen Überblick über die Thematik. Dabei ist es sehr ehrlich geschrieben und verharmlost nicht etwa die teils grausamen Fakten. Ein Muss für den informierten Pferdefreund!

 

Infos zum Buch
Originaltitel:Der letzte Mustang
Autor:Peter Clotten & Tony Stromberg
Verlag: Müller Rüschlikon Verlag
Ort: Stuttgart
Jahr:2017
ISBN: 978-3-275-02090-4

Buchrezension: Kinsesiologisches Pferdetaping

Die Autorin Katja Bredlau-Morich ist Pferdephysiotherapeutin und hat sich vor allem auf das Kinesiologische Taping spezialisiert. In den USA belegte und veranstaltete Sie zahlreiche Kurse zum Thema und begann die Zusammenarbeit mit dem Hersteller Equi-Tape, dessen Produkte Sie nun auch in Deutschland vertreibt. Ihr Buch Kinesiologisches Pferdetaping: Grundlagen, Anwendungen, Fallbeispiele gibt einen sehr guten Überblick über mögliche Behandlungsformen und Szenarien. Es dient dabei keinesfalls als Anleitung zum einfach selbst ausprobieren, wohl aber als erster Einstieg in die Thematik.


 

Das Buch im Softcovereinband umfasst 144 Seiten. Es ist ist dabei sehr umfassend bebildert. Vom inhaltlichen Umfang her ist sehr überschaubar, ich habe es in nur wenigen Stunden komplett gelesen. Es ist dabei sehr gut verständlich, auch ohne Vorwissen. Katja Bredlau-Morich liefert hier einen sehr guten Einstieg in die Thematik des Kinesiologischen Tapings beim Pferd. Sie betrachtet dabei kurz die physiologischen Grundlagen, die zum Verständnis der weiteren Ausführungen notwendig sind. Das Taping als solches bleibt dennoch das zentrale Thema. So werden die Anwendungsmöglichkeiten, die Materialien, konkrete Szenarien, aber auch Tipps und Tricks bei der Behandlung erläutert. Das Buch richtet sich somit sowohl an fachfremde Leser, als auch an ausgebildete Therapeuten und Ärzte. Die Autorin weist auch daraufhin, dass kein Buch der Welt Praxisseminare ersetzen kann und bietet auch selbst welche an.
Ich selbst fand dieses Buch, als absoluter Laie auf dem Gebiet der Physiotherapie, sehr interessant. Vor allem das breite Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten der unterschiedlichen Taping-Anlagen konnten mich vollends für die Thematik begeistern.

Das Buch lässt sich grob in 3 Teile unterteilen: 1) Allgemeine Informationen zum Kinsesiologischen Taping, sowie Indikationen, Kontraindikationen und Tipps und Tricks; 2) Unterschiedliche Tapinganlagen; 3) Fallbeilspiele.

1) Erster Abschnitt

In diesem Kapitel werden, wie bereits erwähnt, die physiologischen Grundlagen erläutert, die zum Verständnis des Buches notwendig sind. Auch die besonderen Anforderungen an das Material, sowie die unterschiedlichen Tape-Arten werden hier erläutert. Die Wirkungsweise des Tapes wird in Kapitel 3 beschrieben:

„Das Kinesiologische Tape wird gedehnt auf die Haut/das Fell aufgebracht.Gemäß einfacher physikalischer Gesetze hat alles, was gedehnt wird, das Bedürfnis sich wieder zusammenzuziehen. Durch dieses Zusammenziehen des Tapes wird gleichzeitig die Haut/das Fell darunter leicht zusammengezogen und dabei angehoben […]. Somit entsteht Platz/Raum in der Gewebeschicht darunter. Dieser Raumgewinn liegt im mikroskopischen Bereich, dennoch kann dadurch Blut und Lymphflüssigkeit leichter abfließen, Abbauprodukte werden ausgespült und frisches Blut und Lymphe können nachfließen.“ (Bredlau-Morich, 2016, S.24).

Im Kapitel 4 und 5 zeigt die Autorin auf, bei welchen Indikatoren eine Behandlung mit dem Tape sinnvoll ist und bei welchen Kontraindikationen lieber darauf verzichtet werden sollte. Sehr schön sind auch die im Kapitel 7 beschriebenen Tipps und Tricks, die vor so manchen ärgerlichen Erfahrungen bei den Taping Anfängen bewahren.

2) Zweiter Abschnitt

Ab dem Kapitel 9 geht es dann los mit den unterschiedlichen Taping-Anlagen. In den nachfolgenden Abschnitten werden die Unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten von Muskeln, Lymphen, Narben, Faszien, Hämatomen und Sehnen mit unterschiedlichsten Taping Strategien vorgestellt und genausten erläutert. Die einzelnen Anlagen werden sehr gut Schritt für Schritt erklärt. Dennoch wird innerhalb der Beschreibung schnell klar, dass es sehr viel zu beachten gibt, und dass vor allem im Bereich der jeweiligen Spannung des Tapes viel falsch gemacht werden kann.

„Zu viel Dehnung im Tape bedeutet auch immer zu viel Zug am Fell und an der darunter liegenden Haut. Dies kann zu Hautirritationen führen. Patienten im Humanbereich können ihrem Therapeuten mitteilen, wenn’s weh tut. Unsere Vierbeinigen Patienten können dies leider nicht so gut.“ (Bredlau-Morich, 2016, S. 52f)

3) Dritter Abschnitt

Im letzten Abschnitt erzählt die Autorin von konkreten Fallbeispielen ihrer eigenen Patienten. Dass spannende in diesem Kapitel sind die Ergebnisse der Behandlung. Man könnte sagen, dass die vorgestellten Fälle eine Art Beweis für den positiven Effekt der Kinesiologischen Tapingbehandlung sind. So konnte Katja Bredlau-Morich beispielsweise verspannte Trapezmuskeln entspannen, eine ungleichmäßige Rückemmuskulatur behandeln, die Behandlung einer Wirbelsäulenblockierung, einens Einschusses und einer Fesselträgerzerrung unterstützen  und sogar eine Fehlstellung in der Vorhand eines Fohlens korrigieren.

Allerdings, so die Autorin, ist die Behandlung mit dem Tape nur eine unterstützende Maßnahme im kompletten physiotherapeutischen Behandlungsprozess (vgl. Bredlau-Morich, 2016, S. 24).

Fazit

Insgesamt eine sehr interessante Einführung in die Thematik. Ich selbst hatte mich zuvor noch nie damit beschäftigt und bin nun schlussendlich vollends von der Methode des Kinesioglischen Pferdetapings überzeugt. Natürlich verlockt die bildliche Schritt-für-Schritt Beschreibung zum selbst ausprobieren – vielleicht hätte die Autorin häufiger davor warnen sollen und mögliche Konsequenzen noch schärfer auszeigen sollen. Mein gesunder Menschenverstand jedoch sagt mir, dass man dieses Handwerk nicht mal eben mit ein paar bebilderten Anleitungen erlernen kann. Die Autorin selbst besuchte zahlreiche Kurse und kann somit auch sehr viel theoretische und praktische Erfahrung zurückgreifen – das sollte man beim Lesen des Buches unbedingt im Hinterkopf behalten. Trotzdem finde ich, dass dieses Buch auch für Laien eine sehr schöne Einführung darstellt. Sollte das eigene Pferde eine Behandlung benötigen, kann man mit diesem Wissen gezielt bei dem Pferdetherapeuten des Vertrauens nach dem Taping fragen. Fazit, für alle die sich für alternative Behandlungsmethoden interessieren, egal ob beruflich oder privat, ist dieses Buch sehr zu empfehlen.

Infos zum Buch
Originaltitel:Kinesiologisches Pferdetaping
Autor:Katja Bredlau-Morich
Verlag: Müller Rüschlikon Verlag
Ort: Stuttgart
Jahr:2016
ISBN: 978-3-275-02006-9

Buchrezension: Horsemanship Training

Die Autorin Kerstin Diacont arbeitet bereits seit mehr als 25 Jahren mit einem ganzheitlichen Ausbildungskonzept von Pferd und Reiter. Dabei greift sie auf ihr umfassendes und vor allem reitweisenübergreifendes Wissen zurück. Besonders bekannt ist auch ihre 3 teilige Videoserie zum Thema „Reiten lernen“.  In ihrem neuesten Buch: Horsemanship-Training (Die Reitschule) vor geht es vor allem um eine feine und aufmerksame Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Die vorgestellten Übungen aus dem Bereich des Natural Horsemanship (NHS) stellen dabei die Basis für ein erfolgreiches Pferdetraining, vom Boden und Sattel aus, dar.


Das handliche Taschenbuch mit Softcover-Einband gehört zur Müller Rüschlikon Serie: Die Reitschule und umfasst 94 Seiten. Dabei ist es ansprechend bebildert und sehr übersichtlich in 4 zentrale Kapitel untergliedert. Im 1. Kapitel werden einige Grundlagen zum Verständnis des NHS-Prinzips und die damit verbundene Denkweise erläutert. Anschließend wird die notwendige Ausrüstung betrachtet. Im 3. Kapitel geht die Autorin nochmal ausführlich auf die unterschiedlichen Lernschwerpunkte getrennt zwischen Mensch und Pferd ein. Das letze Kapitel stellt die konkreten Übungen vor und macht den größten Teil es Buches (ca 56 Seiten) aus.

Kapitel 1: Grundsätzliches

Zunächst erläutert die Autorin einige Aspekte zum Grundverständnis der Denkweise des Horsemanship. Dabei wird vor allem die zentrale Rolle der erfolgreichen Kommunikation erläutert.

„Gute Kommunikation bedeutet auch nicht, dass einer immer nur zuhört (empfängt) und der andere immer nur redet (sendet). Stattdessen ist wechselseitiges Zuhören gefragt, dazu Konzentration, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit sowie gegenseitiger Respekt.“ (Diacont, 2016, S. 5)

Viele Probleme in der Ausbildung von Mensch und Pferd resultieren aus kommunikativen Missverständnissen.

„Wie schon im zwischenmenschlichen Bereich kommt es zu Missverständnissen und Unstimmigkeiten, die im Allgemeinen dem Pferd als Ungehorsam oder Aufsässigkeit ausgelegt werden. Oft sind es jedoch nur unklare Signale oder inkonsequentes Verhalten des Menschen, die dazu führen, dass das Pferd das Vertrauen in die >>Führungskompetenz<< des Reiters verliert und selbst entscheidet, was zu tun ist.“ (Diacont, 2016, S. 5)

Kerstin Diacont erklärt in diesem Kapitel zudem ausführlich, wie wichtig die mentale Ebene bei der Arbeit mit Pferden ist. Gedanken oder eine negative Grundeinstellung können bereits falsche Signale an das Pferd senden. So können sich beispielsweise Gefühle wie Angst direkt auf das Pferd übertragen. Die regelmäßige Arbeit vom Boden aus schafft somit eine feste Basis der Kommunikation.

“ Mensch und Pferd finden ohne Stress eine gemeinsame Basis der Verständigung und lernen die jeweilige Sprache des anderen besser kennen.“ (Diacont, 2016, S. 6)

Sehr lobenswert ist die allgemein positive Grundeinstellung des gesamten Buches. Das Pferd wird hier keinesfalls als untergeordnet angesehen, das den „Befehlen“ folgen muss. Es wird hier vielmehr ein Weg aufgezeigt, der durch Hartnäckigkeit, Geduld und Verständnis trotzdem zum Ziel führt. Mein absolutes Lieblingszitat in diesem Zusammenhang ist:

„Eine strenge Erziehung bedeutet nun auf keinen Fall Brutalität gegenüber dem Pferd, sondern immer nur ruhige, beherrschte Unnachgibigkeit, eine Art von lächelnder Sturheit seitens des Menschen nach dem Motto: >>Lass dir Zeit, soviel du willst – am Ende machst du doch das, was du sollst.<<“ (Diacont, 2016, S. 17).

Sehr ausführlich wird die Thematik des Strafens behandelt. Es werden verschiedene Stufen von der Ermahnung bis zu Maßregelung vorgestellt. Wichtig hierbei auch die Emotionslosigkeit (s. 17) und das antrainieren der richtigen Reflexe (S. 18) um schnell zu reagieren. Sehr schön finde ich auch das Zitat:

„Ein Pferd kann man nicht antiautoritär erziehen – das entspricht nicht seiner Natur.“ (Diacont, 2016, S. 19)

Dabei geht es keinesfalls darum, stehts und ständig Strafen anzuwenden. Die Autorin weist lediglich daraufhin, dass man dem Pferd keinen Gefallen tut, indem man rücksichtsloses Verhalten, welcher Art auch immer, durchgehen lässt. Vielmehr fühlt sich ein Pferd dann sicher, wenn ihm faire und vor allem kontinuierliche Grenzen gesetzt werden. Nur dann kann es dem Menschen voll und ganz Vertrauen. Das gelingt jedoch nur, wenn im richtigen Moment auch mal gemaßregelt wird – denn ein Pferd, dass Sie nicht kontrollieren können – wird zu einer Gefahr für Sie und Ihre Umwelt.

Kapitel 2: Ausrüstung

In diesem Kapitel wird das Rad natürlich nicht neu erfunden. Empfohlen wird für die Arbeit nach NHS ein Knotenhalfter, ein Führstrick (3,5 m), wahlweise ein Sidepull oder ein Kappzaum,  und eine Longe. Die Autorin geht hier sowohl kurz auf den korrekten Sitz, als auch auf die Wirkungsweise ein. Allerdings ist dieser Abschnitt wirklich sehr kurz. Wer sich tiefer damit beschäftigen möchte, sollte sich weitergehend über die jeweilige Zäumung informieren, Das kann vor allem beim Knotenhalfter notwendig sein, um den korrekten Sitz richtig einzuschätzen.

Kapitel 3: Was Mensch und Pferd lernen sollen

Ein sehr schönes Kapitel, dass unterteilt in Mensch und Pferd die jeweiligen Trainingsschwerpunkte erklärt. Dabei ist vor allem der 1. Teil interessant, bei dem es um die notwendigen Qualifikationen des Menschen geht. Es werden sowohl mentale Fähigkeiten, als auch körperliche vorgestellt. Führungsqualitäten, Körperbeherrschung, sowie Kenntnisse „über Anatomie, Psychologie und Kommunikationsmechanismen bei Mensch und Pferd“ (Diacont, 2016, S. 33) sind hierbei die wichtigen Stichworte.

Kapitel 4: Übungsteil

Dieses Kapitel startet zunächst mit einigen wichtigen Grundlagen im Bezug auf die eigene Körperbeherrschung. Verdeutlicht werden diese durch Trockenübungen mit anderen Menschen.

„Üben Sie >>Führen und Folgen<< mit einem Partner; führen Sie selbst und lassen Sie sich führen – mit Körperkontakt (direkt und über eine simulierte Zügelverbindung mit einem Seil) un ohne, nur mit Augenkontakt“ (Diacont, 2016, S. 46)

Anschließend werden die Grundlagen nach Moto „wer bewegt wen erläutert. Dabei hat das Pferd 6 Möglichkeiten sich zu bewegen:

„nach vorne, nach hinten, zur Seite (rechts oder links), nach oben, nach unten“ (Diacont, 2016, S. 54)

Anschließend werden verschiedenste Übungen vorgestellt, die es dem Mensch ermöglichen das Pferd punktgenau zu koordinieren und einzelne Körperpartien in die 6 möglichen Richtungen zu bewegen. Der nachfolgende Abschnitt Longenarbeit leitet das Thema Gymnastizierung ein. Jetzt geht es nicht mehr nur darum, das Pferd zu bewegen, sondern wie es sich bewegt. Es werden Übungen vorgestellt, die eine gesundheitserhaltende Wirkung auf den Körper des Pferdes haben.

Im Anschluss werden die Übungen noch durch Trail und Hindernisarbeit aufgelockert. Der Abschnitt zum Thema Verladen stellt einfallsreiche Übungen vor, die eines der häufigsten Probleme zu bewältigen helfen.

Fazit

Insgesamt handelt es sich hier um ein sehr schönes und leichtverständliches Einführungsbuch in die Thematik des Natural Horsemanship. Es werden sehr wertvolle Denkansätze und leichte Übungen für den Beginn der Arbeit vorgestellt. Wer allerdings bereits Kenntnisse auf dem Gebiet hat, wird in diesem Buch wenig Neues finden. Die vorgestellten Übungen sind gut erklärt, allerdings gehen sie nicht wirklich in die Tiefe, vor allem was den Bereich Gymnastizierung oder auch die Ausrüstung angeht. Für Einsteiger, Umsteiger oder Neuinteressierte ist dieses Buch jedoch auf jeden Fall zu empfehlen. Es leicht verständlich und beinhaltet viele schöne Denkansätze, die die Einstellung des Lesern nachhaltig beeinflussen werden. Dabei gefiel mir am Meisten der Abschnitt zur Thematik der Autorität bei der Erziehung.

 

Infos zum Buch
Originaltitel:Horsemanship Training
Autor:Kerstin Diacont
Verlag: Müller Rüschlikon Verlag
Ort: Stuttgart
Jahr:2016
ISBN: 978-3-275-02058-4

Buchrezension: Pferde gymnastizieren – 65 Übungen für das tägliche Training

Die Autorin Ann Katrin Querbach ist Trainerin B im Bereich Westernreiten und Breitensport auf einem Pferdehof in Walddorfhäaslach (Baden-Württemberg). Die vorgestellten Übungen sind das Resümee aus ihrer mehrjährigen Erfahrung den Pferden und Reitern bei der Durchlässigkeit und Kommunikation zu helfen. Dabei fließen in ihrem Buch Pferde gymnastizieren: 65 Übungen für das tägliche Training vor allem biomechanische Aspekte in die Übungen mit ein, die eine gesundheitserhaltende Reitweise ermöglichen.


Das handliche Taschenbuch im Softcovereinband umfasst 160 Seiten, aufgeteilt in 11 Kapitel. Die einzelnen Seiten sind voll bestückt, sodass es trotz des relativ geringen Umfangs, eine geballte Ladung an Informationen beinhaltet. Aufgelockert wird das Gesamtwerk durch zahlreiche Abbildungen und Fotos. So lässt sich als ersten Gesamteindruck festhalten, dass es sich um ein sehr gehaltvolles und ansprechend gestaltetes Fachbuch handelt.

All die im Buch vorgestellten Übungen sollen dazu beitragen eine „größtmögliche Harmonie zwischen Mensch und Pferd“ (Querbach, 2015, S.6) zu erreichen. Dabei lässt die Autorin all Ihre Erfahrungen aus dem täglichen Reitschulalltag, sowie fundierte Kenntnisse aus dem Bereich der Biomechanik, der Klassischen und der Westernreitweise mit einfließen. Sie beschreibt die vorgestellten Übungen als Reitweisenunabhängig.

Inhalt:

Der Inhalt teilt sich in drei wesentliche Teile auf: Zu Beginn werden in den ersten drei Kapiteln wesentliche Grundsatzübungen erläutert, die als Voraussetzung für die weiteren Kapitel, dienen sollen. Die in  Kapitel vier bis zehn beschriebenen Übungen lehnen sich schwerpunktmäßig an den Ausbildungsskalen der FN und EWU an. In den letzten beiden Kapiteln werden schließlich noch spezielle Übungen für Western- und Springreiter vorgestellt.

1. Teil

Im ersten Abschnitt des Buches geht es erst einmal um die notwendigen Grundlagen: Der korrekte und lockere Sitz, die Atmung, das Spüren und gezielte Bewegen der einzelnen Körperpartien des Pferdes und schließlich dann erste Übungen für etwas Biegung und Durchlässigkeit des Pferdes.

„Damit wir unsere Hilfen richtig geben können und das Pferd in seiner Bewegung nicht stören, sollten wir richtig sitzen“ (Querbach, 2015, S. 8)

Die Autorin erklärt genau, wie wichtig diese Grundlagen sind, um die genannten Ziele mit dem kompletten Übungsprogramm zu erreichen. Sehr schön ist, dass Ann Katrin Querbach hier zunächst beim Menschen anfängt. Häufig ist dem Reiter gar nicht klar, dass kleine Defizite im Sitz oder in der Körperspannung so große Effekte haben. Sehr lobenswert sind vor allem die beschriebenen Wege der Selbstkontrolle:

„Setzen Sie sich auf die Hände, um ein besseres Gefühl für die Sitzbeinhöcker zu entwickeln“ (Querbach, 2015, S.10)

Dadurch kann man sich selbst Stück für Stück schulen und überprüfen, um so ein besseres Körpergefühl beim Reiten zu bekommen. Sehr gut gefallen hat mir auch der Exkurs „Wie lernen Pferde“ (S. 18). Dort wird anhand eines sehr guten Beispielrollenspiels das Lernverhalten beim Pferd verdeutlicht. Ziel ist eine feine Kommunikation zum Pferd, die es ihm so leicht wie möglich macht, uns zu verstehen.

„Machen Sie viele Pausen, loben Sie das Pferd, achten Sie darauf, dass die Motivation erhalten bleibt und kein Stress entsteht.“ (Querbach, 2015, S.35)

Die Grundlagen der allgemeinen Hilfengebung werden im Kapitel 2 nochmals ausführlich erklärt und durch zunächst einfache Übungen, wie Vorhand- und Hinterhand-Wendungen verinnerlicht.

„Eine korrekte Hilfengebung ist immer ein Zusammenspiel aller Hilfen.“ (Querbach, 2015, S. 21)

Im Kapitel 3 kommt dann bereits eine leichte Biegung mit ins Spiel in Form von Schlangenlinien und Volten, sowie Kontervolten. Die Übungen werden bereits hier etwas Anspruchsvoller und der Leser muss sich sehr gut in die Reitsituation hineindenken können. Vor allem die Übung 3.6 „Schulterherein mit anschließender Vorhandwendung“ (Querbach, 2015, S.47) erfordert ein hohes Maß an Koordination der einzelnen Hilfen.

2. Teil

Die Grundlagen sind nun gelegt und der Reiter hat nochmals alle notwendigen Kommunikationshilfen verinnerlicht. Wir nähern uns nun der Ausbildungsskala und beginnen zunächst im Kapitel 4 mit dem Takt.

„Der Takt und die psychische und physische Losgelassenheit des Pferdes stehen in direktem Zusammenhang.“ (Querbach, 2015, S. 50)

Dieser Abschnitt ist im Hinblick auf die vorgestellten Übungen bereits etwas anspruchsvoller und erfordert ein hohes Maß an Körpergefühl, sowohl für den eigenen, als auch für einzelnen Körperteile des Pferdes. Dabei ist jede Aufgabe gewohnt bildlich beschrieben, mit allerhand Hinweisen und Tipps für die korrekte Durchführung. Besonders gefallen hat mir das „Angaloppieren aus der Volte“ (S. 57), da ich diese Übung auch vom Boden aus, sehr schön in meine Longenarbeit mit einbauen kann. Hierbei liegt der Fokus auf das korrekte Anspringen, aber auch einen sauberen und gebogenen Galopp.

In den nachfolgenden Kapiteln, bis hin zum Kapitel 10, werden die Themen Losgelassenheit, Anlehnung & Nachgiebigkeit, Hinterhandaktivierung, Geraderichten und schließlich die Versammlung /Absolute Durchlässigkeit behandelt.

3. Teil

Im letzten Abschnitt des Buches findet der Leser nochmals allerhand Reitweisenübergreifende Übungen, die das tägliche Training etwas auflockern können. Dabei werden Stangen, Pylonen oder andere Hindernisse, wie Brücken oder ein Tor mit eingebunden. Diese Aufgaben, aus dem Westernbereich (Trail), fördern die Motivation bei Pferd und Reiter und sorgen für etwas Abwechslung.

„Es werden Nervenstärke und gegenseitiges Vertrauen gefordert, um die Übungen durch exakte Bewegung des Pferdes in alle Richtungen (Rückwärtsrichten, Seitgänge) durchführen zu können.“

Es handelt sich also um eine Art Bewährungsprobe, bei der der Reiter ohne große Einwirkung das Pferd dirigieren muss.

Das letzte Kapitel stellt noch ein paar Übungen speziell für Springreiter vor, die ebenfalls das tägliche Training bereichern können.

Fazit:

Insgesamt handelt es sich hier um ein sehr ausführlich beschriebenes und mit viel Liebe und Verstand zusammengestelltes Sammelsurium an sinnvollen Übungen für das Pferdetraining im Sattel. Natürlich wird das Rad hier nicht neu erfunden, viele der Übungen waren mir bereits bekannt. Trotzdem finde ich es gut, dass man hier eine ausführliche Beschreibung der genauen Hilfen, sowie eine Sinnvolle Reihenfolge der Lektionen bekommt. So kann man sich leicht individuelle Trainingseinheiten zusammenstellen, und hat alle Möglichkeiten in einem Buch versammelt. Dabei wird der Leser bei seinem individuellen Ausbildungsstand und dem des Pferdes abgeholt. Jeder Schritt ist sehr ausführlich und bildlich beschrieben, dabei helfen die vielen Skizzen und Fotos beim Verstehen.
Sehr lobenswert ist auch der Aspekt der Reitweisenunabhängigkeit, wobei ich hier sagen muss, dass ein paar Details für Verwirrung sorgen könnten. Genauer gesagt geht es um die Verlagerung des Gewichtes. Lässt man das Pferd unter das Gewicht treten, oder dem Gewicht weichen? Ersteres ist vor allem im Westernbereich das gängige Verständnis, letzteres in der klassischen Reitweise. Wobei das nicht immer so klar getrennt wird. Ich finde dieser Aspekt hätte noch etwas genauer beleuchtet werden müssen, damit der Leser wirklich auf seinem individuellen Trainingsstand abgeholt wird.
Ebenfalls etwas verwirrend empfand ich die Fotos von dem Pferd mit Bosal (z.B. S.3). Die beschriebenen Zügelhilfen lassen sich nicht 1 zu 1 auf die Bosalreiterei übertragen, sodass ein falscher Eindruck entstehen könnte. Das heißt nicht, dass die Übungen nicht mit Bosal geritten werden können, aber trotzdem sollte man dort genauer lesen und kann nicht jede Hilfe, so wie sie da steht, umsetzen.
Bei jeder Übung wird zusätzlich von der Autorin beschrieben, was man tun kann, wenn das Pferd nicht die gewünschte Reaktion zeigt. Dabei sind jeweils ein paar falsche Szenarien und deren Lösung beschrieben. An sich finde ich diesen Einfall sehr gelungen, denn es zeigt gleichzeitig, dass nicht jede Lektion immer sofort gelingen muss. So wird dem Leser bereits vorab geholfen, sich selbst zu überprüfen und ggf. zu korrigieren. Allerdings sind die Lösungen an manchen Stellen zu kurz geraten, sodass man hier gut beraten ist, sich im Zweifelsfall einen kompetenten Trainer dazu zu holen.

Abschließend lässt sich sagen, dass dieses wirklich gelungene Werk keinen Ersatz für guten Reitunterricht darstellt. Wohl aber eine sehr sinnvolle Ergänzung, die allerhand Ideen und Fachwissen bereithält. Ich kann an dieser Stelle ganz klar eine Kaufempfehlung aussprechen, egal ob Anfänger oder Profi.

Infos zum Buch
Originaltitel:Pferde gymnastizieren – 65 Übungen für das tägliche Training
Autor:Ann Katrin Querbach
Verlag: Müller Rüschlikon Verlag
Ort: Stuttgart
Jahr:2015
ISBN: 978-3-275-02032-4

Buchrezension: Von Pferden lernen, sich selbst zu verstehen von Jenny Wild

Jenny Wild ist Natural Horsemanship Trainerin mit Leib und Seele. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Peer Claßen gibt Sie Kurse und legt dabei Fokus auf eine tiefe Vertrauensbasis und eine echte Freundschaft zwischen Pferd und Mensch. Sie hat bereits zwei Bücher geschrieben: Von Pferden lernen, sich selbst zu verstehen
und das Übungsbuch Natural Horsemanship (zur Rezension). Im folgenden möchte ich ihr erstes Buch rezensieren.


„Von Pferden lernen, sich selbst zu verstehen“ – Ein bezauberndes Buch, welches auf charmante Art und Weise den Leser die eigenen Fehler erkennen lässt und ihn damit galant zum Umdenken anregt.

„Ich würde mir wünschen, dass ich die Leser meines Buches auch zum Nachdenken anregen kann. Eventuell sehen sie einige Dinge später mit anderen Augen und verhelfen damit automatisch ihren Pferden zu einem besseren Leben.“ (S.12)

Jenny Wild vereint in diesem Buch psychologische und verhaltensbiologische Aspekte mit ihrem ganz persönlichen Erfahrungen als Natural Horsemanship (NHS) Trainerin und stellt dabei Parallelen zum menschlichen Verhalten her. Die Ausflüge in wissenschaftliche Aspekte sind dabei stets allgemein verständlich geschrieben und ergänzen dabei sinnvoll die Prinzipien des NHS.

Das Buch startet mit einem Vorwort von Arien Aguilar, der Jenny und Peer auf einen seiner Kurse und anschließend auf einen ihrer Kurse kennenlernen durfte. Unter der Überschrift „Wissen teilen hilft den Pferden“ (S.7) erklärt er, warum es so wichtig ist seine Gedanken, Ideen und Erkenntnisse zu teilen und dass nur dadurch ein besserer Weg für Mensch und Pferd gefunden werden kann. Dieses Statement steht ganz im Sinne dieser Homepage, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Wissen zu teilen.

„Es ist mir ein Bedürfnis, möglichst vielen Pferden auf dieser Welt zu helfen, ein besseres bzw. pferdegerechteres Leben zu führen.“ (S.10)

In diesem Sinne soll Jenny Wild’s Buch eine Art Zusammenfassung ihrer Denk- und Trainingsweise im Natural Horsemanship darstellen. Dabei beziehen sich die vorgestellten Bereiche häufig eher auf den Menschen, als auf das Pferd. Und das ist auch gut so, denn, so Jenny Wild, nur durch eine kritische Selbstreflexion kann man ein richtiger Horseman werden.

Die Autorin startet mit dem Thema „Sicherheit„, dem wichtigsten Bereich des NHS. Sowohl für das Pferd, als auch für den Menschen stellt das Sicher-Fühlen ein absolutes Grundbedürfnis dar. Jenny Wild führt den Lesen hier mit definitorischen Grundlagen, aber auch mit eigenen Anekdoten, an die verschiedenen Perspektiven heran und erklärt dabei sehr eindringlich, dass Unsicherheit beim Pferd und beim Mensch den größten Problemherd darstellt. Abgerundet wird die Ausführung dann von konkreten Übungen wie beispielsweise der „privaten Zone“ (S. 27) und Grundlagen der NHS Arbeit. Dabei werden auch einige Aspekte des Übungsbuch Natural Horsemanship (zur Rezension) angesprochen und ergänzt.

„Empathie ist der Schlüssel“ (S.55)

Im Verlauf des Buches geht Jenny Wild sehr intensiv auf die Thematik der gewaltfreien Kommunikation mit dem Pferd ein. Unter Beachtung des Leitsatzes im NHS:

„Stellt immer die netteste Frage, die ihr stellen könnte, steigert kontinuierlich die Energie, bis die positive Antwort des Pferdes kommt und hört dann sofort mit einem von Herzen kommenden Danke auf.“ (S.54)

Wenn der Leser den Gedankengängen von Jenny Wild folgt, dann wird schnell klar, dass ein Pferd in seinen Augen immer alles richtig macht. Wir Menschen projizieren die Probleme in das Verhalten und strafen die vermeidlichen Fehler, was wiederum zum Unverständnis des Pferdes führt. Zudem, so die Autorin, sind die meisten Probleme in der Pferd-Mensch-Beziehung ungewollt vom Menschen konditioniert, oder bestehen aus Verständigungsproblemen. Nur durch ein komplettes Umdenken, kann man ein echtes Vertrauensverhältnis aufbauen und partnerschaftlich jede Herausforderung gemeinsam meistern.

Besonders wichtig für den Einstieg in das NHS ist, so Jenny Wild, eine positive Grundeinstellung.

„Die meisten Menschen sind sehr schnell kritisch mit ihren Pferden und zwar in fast allen Situationen.“ (S.105)

Ich als Leser habe mich an dieser Stelle selbst ertappt. Je bewusster man im Alltag mit dem eigenen Pferd darauf achtet, wie oft man tatsächlich kritisiert, umso bewusster wird einem auch, wie unwohl sich das Pferd dabei fühlen muss. Jenny Wild erklärt an dieser Stelle, ausführlich, wie es sich anfühlt, wenn man in den eigenen Augen zu unrecht getadelt wird. Schnell wird klar, dass auch hier ein Umdenken nötig ist. Unter dem Titel „Gerecht zu Pferden sein“ (S.108) zeigt die Autorin anhand einer von selbst erlebten Geschichte, wie das Umdenken funktioniert.

„Es ist nicht Schlimm, Fehler zu machen, sofern man aus ihnen lernt.“ (S.111)

Geduld, Sensibilisierung und Desensibilisierung und eine solide Selbstbeherrschung und -reflektion stellen dabei wichtige Aspekte des fairen Umganges mit dem Pferd dar. Dem Pferd auch mal etwas zutrauen und es die Welt entdecken lassen, anstatt es permanent zu kontrollieren und zu steuern – das sind die Kernthemen der folgenden Kapitel. Aber auch die zuweilen wichtige Trennung von Partnerschaft und Erziehung. So schön die Vorstellung von einer echten Freundschaft auch ist, Jenny Wild erklärt ganz klar, dass auf eine solide Erziehung nicht verzichtet werden kann und darf. Sie zitiert dabei den Horseman Buck Brannaman mit den Worten:

„Wir können auch nicht immer nur die Freunde unserer Kinder sein.“  (S.166)

Ein meiner Meinung nach sehr schöner Vergleich.

Zum Ende hin betrachtet die Autorin noch den großen und komplexen Themenbereich der Wahrnehmung und des Bewusstseins. Jenny Wild erklärt hier sehr ausführlich, wie wichtig die emotionale, die mentale und die physische Ebene beim Umgang mit dem Pferd sind. Sie sensibilisiert dabei den Leser auf die kleinen zumeist auch unscheinbaren Dinge, die den Unterschied zu einer besser und feinerer Kommunikation darstellen. Vor allem das im NHS so wichtige Neutral – die Belohnung – kann nur durch eine geschulte Selbstbeherrschung auf allen Ebenen erreicht werden.

„Weil Menschen häufig so wenig darauf achten, was ihr Körper gerade tut, geben sie den Dingen, wie z.B. Gerten, Sätteln und anderen „bedrohlichen“ Sachen, ein Eigenleben“ (S.174)

Mein Fazit: Ich kann dieses Buch nur wärmstens weiterempfehlen. Vor allem all jenen, denen noch die konkrete Inspiration zu einem neuen und viel besseren Umgang mit dem Pferd fehlt. Aber auch zum Übungsbuch Natural Horsemanship stellt es eine sehr gute Ergänzung dar. Die Grundlagen des NHS werden hier viel tiefgründiger beleuchtet und somit fallen die im vorgestellten Übungen mit den Erkenntnissen leichter.

Leider konnte ich in dieser Rezension nicht jedes Kapitel so ausführlich beschreiben, wie ich gern wöllte, denn das würde den Rahmen deutlich sprengen. Aber ich kann einfach nur dazu raten – lest dieses Buch und überzeugt euch selbst!

Infos zum Buch
Originaltitel:Von Pferden lernen, sich selbst zu verstehen – Durch Selbsterkenntnis zum Pferdeverständnis
Autor:Jenny Wild
Verlag: Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co KG
Ort: Stuttgart
Jahr:2014
ISBN: 978-3-440-13788-8

Buchrezension: Übungsbuch Natural Horsemanship von Jenny Wild und Peer Claßen

Jenny Wild und Peer Claßen, ein Natural Horsemanship Trainer Duo, das ihren Fokus auf eine tiefe Vertrauensbasis und eine echte Freundschaft zwischen Pferd und Mensch legen. In Ihrem „Übungsbuch Natural Horsemanship“ erklären die beiden Schritt für Schritt einen sanften Einstieg in die Welt des Natural Horsemanship. Die Grundlage dafür bietet ein völlig neues Grundverständnis vom Partner Pferd und viele facettenreiche Übungen, die vor allem den Menschen schulen sollen, besser mit dem Pferd zu kommunizieren. Ergänzend zum Buch gibt es eine umfangreiche Videosammlung, die via QR-Code immer direkt zum jeweiligen Kapitel angeschaut werden kann.

Das Buch startet mit einem Vorwort von Markus Eschbach, der das Reiten mit dem Surfen vergleicht. Ein sehr schöner Vergleich, der zeigt, dass wenn man etwas so mächtiges wie eine Welle nicht beherrschen kann, man sich selbst anpassen muss, um auf ihr zu reiten.

Es folgt eine kleine Einführung zum Thema Pferd, Natural Horsemanship (NHS) und zum Umgang mit diesem Buch. Zu Beginn wird gleich klar, dass ein sehr starker Fokus auf dem Verständnis des Pferdes und dessen natürlichen Eigenschaften und Instinkten liegt. Auf Grundlage des vollkommen natürlichen Verhalten der Pferde, versucht das NHS nun eine Kommunikation zwischen Mensch und Pferd herzustellen, die genau diese Schwierigkeiten in unserer Menschenwelt überbrücken soll. Die im Buch vorgestellten Übungen, sollen dafür die Türen öffnen. Es stellt einerseits ein sehr umfangreiches Selbstlernsystem dar, andererseits weisen die Autoren ausdrücklich daraufhin, dass beim Umsetzen Flexibilität und Einfühlungsvermögen erforderlich sind. Denn der Umgang mit Pferden, so die Autoren, ist komplex und lässt sich nicht in Menschenschemata rein zwängen.

„Pferde sind von Natur aus skeptisch, klaustrophobisch und unsicher. Sie bekommen Panik und schauen erst dann, ob es nötig war. Deshalb scheiden sie eigentlich schon von vornherein für ein Leben mit Menschen in deren Lebensraum aus.“ (S. 6).

Weiter geht’s mit der Grundausstattung, die für den Einstieg benötigt wird. Es werden die NHS typischen Hilfsmittel, ein Knotenhalfter, ein 4m langer Strick und ein Horsemanship-Stick benötigt. Anschließend wird das Aufhalftern und das Handling des Seils und des Sticks erklärt. Erfahrene Pferdehalter werden sich an dieser Stelle vielleicht ein wenig unterfordert fühlen, da das Aufhalftern in Ihren Augen keine sonderbar schwere Aufgabe darstellt. Allerdings erklären die Autoren sehr genau, dass bereits diese alltägliche Nebensächlichkeit viel Aufschluss über die Pferd-Mensch Beziehung geben. Reaktionen, wie Kopf wegziehen, sich groß machen, Weglaufen etc. bieten direkt eine Grundlage mit dem NHS Training zu beginnen, deshalb sollten auch die simpelsten Übungen im Buch, mit viel Aufmerksamkeit betrachtet und umgesetzt werden. Sehr gelungen sind die genauen Schritt für Schritt Durchführungsanleitungen, die durch viele Bilder ein genaues Gefühl vermitteln, wie es aussehen sollte. Zusätzlich kann sich der Leser, wie weiter oben bereits erwähnt, die vorgestellten Übungen via QR-Code als Video ansehen. Dafür möchte ich gern ein sehr großes Lob aussprechen, denn aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass die Umsetzung allein aus einem Buch, sehr schwierig ist. Videomaterial prägt man sich zudem viel besser ein.

„Wenn Pferdebedürfnisse und menschliche Wunschbilder aufeinander treffen, reagieren beide Seiten in der Regel über: Es entsteht zu viel Forderung auf der einen Seite und zu viel Gegenwehr auf der anderen. Konfrontation und Frust sind die Folge.“ (S.27)

Weiter geht es im nächsten Kapitel mit dem ABC der Pferdekommunikation. Es werden im folgenden Abschnitt drei Basis-Bausteine erläutert, welche die Grundlage einer besseren und vor allem sanften Kommunikation mit dem Pferd darstellen. Im Unterschied zu anderen Trainingskonzepten, werden dem Pferd hierbei keine Aufgaben oder Befehle erteilt, die Autoren stellen Fragen und das Pferd antwortet entsprechend mit einer Reaktion. Ziel ist es, mit einer sanften Drucksteigerung beim Fragestellen, dem Pferd die Tür zu öffnen, die richtige Antwort zu geben. Anschließend wird der Druck sofort fallen gelassen und das Pferd bekommt die verdiente Pause als Belohnung. Diese Vorgehensweise zieht sich durch das gesamte Übungsmaterial. Dabei kann die Frage entweder mit direktem oder mit indirektem Gefühl erfolgen. Als besonders wichtig gilt der eigene Fokus und die Gedanken beim Fragestellen. Für mich persönlich der schwierigste Teil, denn die eigenen Gedanken und Emotionen zu steuern, ist eine große Herausforderung. Die Autoren liefern in diesem Kapitel anschließend eine sehr wichtige Übung, die allerhand Probleme im alltäglichen Umgang lösen kann. Das Konzept „Du bist nicht gemeint“, angelehnt an Pat Parellis Friendly Game, soll dem Pferd glaubhaft vermitteln, dass in bestimmten Situationen keine Reaktion gefordert ist. Diese Übung lässt sich, so die Autoren, bei nahezu allem einsetzen, womit Pferde Probleme haben könnten: Berührungen, Gegenstände, Stillstehen, Angstreaktionen etc. Ich selbst kann an dieser Stelle nur zustimmen. Mein Pferd lies sich in der letzten Zeit zunehmend schlechter am Kopf berühren. Mit der vorgestellten Übung konnte ich ihn binnen weniger Minuten wieder den Schopf kämmen, ganz ohne Gezerre und Gegenwehr. Er hat begriffen, dass keine Reaktion nötig ist und dass er sofort wieder in Ruhe gelassen wird, wenn ich fertig bin.

Das Nächste Kapitel umfasst das Thema Sicherheit. Die dort vorgestellten Übungen regeln eine gewisse Grundordnung zwischen Mensch und Pferd, gemäß dem Motto „wer bewegt wen?“. Es wird zunächst die Private Zone vorgestellt, die einen gewissen Raum zwischen Pferd und Mensch schafft. Anschließend erklären die Autoren, wie die Hinterhand gezielt beeinflusst werden kann, um damit auch in Notsituationen effektiv handeln zu können, ohne dem Pferd am Kopf zu zerren. Das hat zwei Vorteile, einerseits verbindet das Pferd den Menschen nicht direkt mit Schmerz, der über das Knotenhalfter entsteht, wenn es seinem natürlichen Fluchtinstinkt folgen will. Andererseits hat man in den meisten Fällen kaum eine Chance ein Pferd mit reiner Körperkraft zu halten – das Herumschicken der Hinterhand ermöglicht so, ohne Krafteinwirkung das Pferd effektiv zu händeln. Auch diese Übung konnte ich bereits erfolgreich ausprobieren und kann berichten, dass auch in kurzen Fluchtreaktionen aufgrund eines Schreckmomentes das Herumschicken der Hinterhand schnell für eine Entspannung der Situation gesorgt hat. Auch bei mir persönlich half diese Übung, noch viel ruhiger zu bleiben und mich nicht von der Reaktion meines Pferdes anstecken zu lassen. Binnen weniger Minuten konnten wir entspannt weiter gehen.

„Das große Ziel bei allem ist schließlich Partnerschaft und keine Machtausübung.“ (S.59)

Das folgende Kapitel betrachtet die Harmonie zwischen Mensch und Pferd genauer. Sich auf das Pferd einlassen, bedeutet verschiedene Informationen und Übungen, die uns selbst helfen sollen, unser Pferd besser zu verstehen. Reaktionen und Verhalten kann dadurch besser gedeutet werden und das Wichtigste anhand dieser Informationen gelingt es uns leichter die eigenen Emotionen zu kontrollieren und die eigene Grundeinstellung zu verändern. Dabei helfen sollen vor allem das „Einfangspiel“ und die „Spiegelübung“, zwei sehr kreative Möglichkeiten sich noch besser in die Welt der Pferde einzudenken.

In den folgenden Kapiteln verlassen wir nun die Grundlagen und näheren uns der aktiven Bodenarbeit nach dem NHS Prinzip. Auf den nachfolgenden Seiten werden unzählige Übungen mit und schließlich auch ohne Halfter und Strick vorgestellt. Dabei gibt es die gewöhnten Schritt für Schritt Anleitungen, sowie umfangreiches Videomaterial, dass einen guten Einstieg in die NHS Praxis gewährleisten soll. Vorgestellt werden unter anderem das Zirkelprinzip, das Zielspiel, die Acht, der Slalom, Engpass, Parcours und viele mehr. Das Ergebnis stellt eine sehr feine Kommunikation mit nur wenigen Signalen, die dem Pferd helfen alle Aufgaben zu meistern. Ein besonderer Pluspunkt, die Autoren gehen auch auf mögliche Probleme bei der Umsetzung ein und erläutern genau, wie man zu Reagieren hat. Was ich persönlich besonders gut finde, an einigen Stellen wird dazu geraten, sich bei Überreaktionen seitens des Pferdes professionelle Unterstützung zu holen. Diesen Hinweis finde ich besonders wichtig, denn jedes Pferd ist anders und daher, so auch die Autoren, können die Reaktionen auf bestimmte Übungen verschieden ausfallen. Ein professioneller NHS Trainer kann mit geschultem Blick und Pferdeverstand so manche Situation besser einschätzen und auf sanfte Art und Weise regeln.

Mein Fazit zum Buch: Jenny Wild und Peer Claßen haben mit ihrem „Übungsbuch Natural Horsemanship“ eine wundervolle Einführung in die Welt des NHS geschaffen. Das Buch eignet sich sowohl für Anfänger, als auch für Fortgeschrittene. Das Umfangreiche Sammelsurium der verschiedenen Übungen bietet viel Inspiration für die Bodenarbeit, aber auch für den alltäglichen Umgang mit dem Pferd. Sehr schön ist auch der Umgangston, welcher im Buch ausführlich vermittelt mit (z.B. Fragen stellen, anstatt befehlen). Mir persönlich gefällt auch die Einführung in das grundlegende Verständnis der Pferde – das sich Hineinversetzen hilft in schwierigen Situationen nicht emotional zu werden. Eine klare Kaufempfehlung!

Ein kleiner Tipp von mir, das zweite Buch von Jenny Wild: „Von Pferden lernen, sich selbst zu verstehen: Durch Selbsterkenntnis zum Pferdeverständnis“ ist eine wundervolle Ergänzung zum Übungsbuch. Viele Aspekte werden nochmal ausführlicher erklärt, vor allem die Emotionalen Komponenten und die natürlichen Verhaltensweisen des Pferdes. Eine Rezension folgt 😉

Infos zum Buch
Originaltitel:Übungsbuch Natural Horsemanship
Autoren:Jenny Wild & Peer Claßen
Verlag: Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co KG
Ort: Stuttgart
Jahr:2015
ISBN: 978-3-440-14073-4

Rezension: Der neue Longenkurs – ein Trainingsprogramm nach den Grundsätzen der Biomechanik des Pferdes von Babette Teschen

Babette Teschen

Babette Teschen

Babette Teschen gibt seit Jahren Seminare und Kurse zum Thema Longieren nach nach den Grundsätzen der Biomechanik des Pferdes, dabei fließen vor allem ihre Kenntnisse als Tierheilpraktikerin in die Trainingsmethoden mit ein. Als umfassende Lektüre zum Trainingskonzept brachte Sie 2008 den ersten „Longenkurs“ als PDF Selbst-Lern-Anleitung heraus. Meiner Meinung nach revolutionierte dieser Kurs das Verständnis vom Longieren. Korrigiert mich, falls ich mich irre, aber mir war vorher keine Literatur bekannt, die auf ähnliche sanfte Weise eine so gesunde Selbsthaltung beim Pferd hervorrufen kann – und das vor allem OHNE jegliche Hilfszügel oder Gewalteinwirkungen. Das es funktioniert, bewies vor allem die Geschichte von Lisa Kittler, die ihre Angloaraberstute Pien mit diesem Kurs komplett neu ausbildete.


Im Jahr 2011 kam eine komplett überarbeitete Version, mit noch besseren Bildern, Zeichnungen und dazugehörigen Videos heraus. Ich möchte diesen Kurs im folgenden rezensieren und beziehe mich dabei auf die Version von 2011.

Bestellen kann man den Longenkurs als digitales PDF Dokument über die Internetseite von Babette Teschen und Tania Konnerth www.wege-zum-pferd.de. Zum Lesen steht es einem nun frei, ob lieber ausgedruckt, oder am PC oder etwas komfortabler über ein Tablet. Der knapp 240 Seiten schwere Longenkurs eignet sich meiner Meinung nach nicht zum eben mal durchlesen. Zumindest ab Kapitel 2, indem konkrete Übungen beschrieben werden, sollte die Lektüre, so fern man diese auch aktiv am Pferd anwenden möchte, genaustens studiert werden. Zur Unterstützung bekommt man von der Autorin zahlreiche Videos über ein Internetportal zur Verfügung gestellt. Es empfiehlt sich meiner Meinung nach, diese parallel anzuschauen, um ein genaues Gefühl für die korrekt ausgeführte Übung zu bekommen.

Kommen wir nun zum Inhalt des Longenkurses. Im ersten Kapitel führt die Autorin zunächst allgemein an das Thema Longieren heran. Sie betrachtet dabei vor allem das Problem, dass ein Pferd naturgemäß nicht im Kreis läuft und deshalb die Biegung des Pferdekörpers eine große Herausforderung in der Ausbildung darstellt. Babette Teschen zeigt nun über ausreichend Bildmaterial, wie es nicht aussehen sollte, welche Probleme aus falschem Longieren entstehen und was es mithilfe des Longenkurses zu erarbeiten gilt. Es folgt ein Exkurs über das gute Laufen beim Pferd. Die Autorin lässt hierbei fundiertes Wissen über Anatomie, Physiologie und Biomechanik des Pferdes mit einfließen. Ziel ist, den Leser zu schulen, damit dieser erkennen kann, wann sein Pferd überhaupt gut läuft und was er damit tatsächlich bewirkt. Zudem wird auch schnell deutlich, wozu schlechtes Laufen führt und welche gesundheitlichen Schäden dadurch entstehen. Bereits in diesem Kapitel sollte der Leser die Bilder mit viel Aufmerksamkeit betrachten. Hierbei haben Tablet-Leser einen Vorteil durch die Zoom-Funktion. Der geschulte Blick, so viel kann ich aus eigener Erfahrung sagen, ist bei der Umsetzung des Kurses sehr wichtig. Es werden Begriffe erläutert wie natürliche Schiefe, hohle Seite, Händigkeit und Scherkraft und anschließend deren Bedeutung im Hinblick auf das korrekte Longieren erklärt. Am Ende des Kapitels hat man eine konkrete Vorstellung, davon, wie es richtig aussehen muss. Allerdings merkt man auch schnell, dass dieses Ziel nicht von heute auf Morgen zu erreichen ist. Zudem bekommt man auch ein Gespür dafür, wie schwer das geforderte dem Pferd eigentlich fällt.

Der eigentliche Kurs beginnt nun im Kapitel 2, dem Praxisteil des Longierens. Zu Beginn erläutert Babette Teschen die richtige Ausrüstung und die notwendige Beschaffenheit eines guten Arbeitsplatzes. Sehr detailliert geht sie auf das Thema Kappzaum ein. Ein vernünftiger Kappzaum, der vor allem gut und fest sitzt ist existentiell für die weitere Arbeit. Denn nur so kann die gezielte Einwirkung über die Longe erfolgen. Die Autorin erklärt an dieser Stelle auch die richtige Verschnallung und zeigt auf zahlreichen Abbildungen, wie ein guter Kappzaum zu sitzen hat. Ebenfalls werden Negativbeispiele mit ungeeigneten Ausrüstungsgegenständen, wie dem Stallhalfter gezeigt und erläutert. Anschließend lernt der Leser noch die korrekte Haltung der Longe, sowie die Anwendung der Peitsche. Auch die Zuhilfenahme von Dualgassen, nach Geitner oder dem Körperband nach Tellington-Jones werden kurz angeschnitten. Komplett abgelehnt wird die Verwendung von jeglichen Hilfszügeln. Babette Teschen argumentiert hierbei ausführlich, dass durch eine erzwungene Haltung, keine Selbsthaltung des Pferdes zustande kommt. Zudem fällt ein Pferd, dass seinen Kopf wie gewünscht absenken möchte, schnell hinter die Senkrechte. Diese Argumente werden durch bebilderte Beispiele umfassend belegt.

Es folgt ein besonders wichtiger Abschnitt, die richtige Hilfengebung beim Longieren. Intensiv wird die notwendige Körpersprache, der Einsatz der Stimme, der Peitsche und die Signale über die Longe erklärt. Zahlreiche Bilder mit eingezeichneten Pfeilen sollen beim Verständnis helfen. Das Schwierige hierbei ist, sich immer wieder selbst zu kontrollieren. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass sich eine zweite Person bei der Arbeit schnell bezahlt macht, denn man kann sich unmöglich auf so viele Punkte gleichzeitig konzentrieren. Ich kann auch in diesem Abschnitt nur empfehlen die Bilder zu studieren und sich die richtigen Positionen zu merken. Ein Unterschied zu anderen Lehren des Longierens stellt vor allem die Position auf Höhe des Pferdekopfes dar, aber auch die Hilfengebung mit der Peitsche ist wesentlich komplexer, als ich es von herkömmlichen Lehren kenne.

Nun geht es los, die ersten Übungen werden erläutert. Babette Teschen beginnt mit dem Führen in Stellung (FiS). Eine Lektion, deren eigentlicher Schwierigkeitsgrad erst beim eignen Ausprobieren deutlich wird. Durch diese Übung soll das Pferd schonend an die geforderte Selbsthaltung herangeführt werden. Es folgt das Übertretenlassen der Hinterhand, das langsame Antraben auf engen Kreisen und später dann Schrittweise das Führen auf Entfernung. Kurz gesagt, die Autorin baut das Fundament der eigentlichen Longenarbeit auf. Es ist nun am Leser sich diese Basisübungen zu erarbeiten. Es helfen dabei zahlreiche Bilder und Videos im dazugehörigen Onlineportal.

Im letzten Abschnitt des Kapitels erklärt die Autorin die Basisarbeit an der Longe. Der wichtige Übergang vom Führen in Stellung zum Longieren in Stellung bringt eine neue Herausforderung für das Pferd-Mensch-Gespann. Babette Teschen erläutert die Arbeit gewohnt detailliert mit vielen Bildern zur Illustration. Sie geht auch auf eventuelle Schwierigkeiten ein und bietet Lösungsansätze. Auch die Galopparbeit kommt nun dazu. Es wird umfassend die Dehnungshaltung, aber auch die Versammlung an der Longe erklärt und schnell wird klar, wie Komplex das beschriebene System des Longierens eigentlich ist und wie umfassend das Pferd dadurch bewegt, gymnastiziert und trainiert wird.

Arbeit nach dem Longenkurs

Arbeit nach dem Longenkurs

Im letzten Kapitel, liebevoll das Longengymnasium genannt, wird die Arbeit nun abwechslungsreich und kreativ verfeinert. Das Pferd lernt unter anderem das Anhalten an der Longe, den Appell, das Rückwärtsrichten, aber auch Handwechsel, Volten und Schulterherein. Durch eine lebendige Longeneinheit, so Babette Teschen, bleibt das Pferd aktiv dabei, achtet mehr auf den Menschen und lässt sich besser zum Lernen motivieren. Auch in diesem Kapitel warten zahlreiche Bilder und Erklärungen, aber auch mögliche Probleme und deren Lösungen. Am Ende des Kapitels werden noch die speziellen Fälle behandelt. Speziell meint hierbei, ältere oder kranke Pferde, aber auch Gangpferde, die durch ihren Bewegungsapparat rassespezifisch trainiert werden sollten. Der wichtigste Hinweis kommt gleich zu Beginn. Bei der Arbeit mit älteren oder kranken Pferden, sollte zunächst ein Tierarzt konsultiert werden, aber prinzipiell schließt die Autorin die Arbeit nach dem Longenkurs nicht aus.

Abschließend lässt sich sagen, dass der Name Kurs durchaus berechtigt ist, denn es handelt sich hierbei um ein wirklich umfassendes Werk mit geballten Informationen. Obwohl einige Abschnitte sich mit anatomischen und teils sogar wissenschaftlichen Aspekten beschäftigen, lässt sich der Longenkurs dennoch gut und verständlich lesen. Inhaltlich ist er sowohl für Anfänger, aber auch für Profis, die einem neuen Weg des Longierens offen gegenüber stehen, geeignet. Die Bilder bieten eine wichtige Grundlage zum Selbstlernen und auch das dazugehörige Onlineportal mit den Videos, und meiner Meinung nach auch die Facebookgruppe zum Fragen stellen, ergänzen den Kurs umfassend. Wer nicht gut aus Büchern und Videos lernen kann, der hat die Möglichkeit sich von Babette Teschen selbst auf einem Live-Kurs Hilfe zu holen. Mich persönlich hat der Longenkurs mehr als überzeugt. Ich habe meine Einstellung zum Longieren, aber auch die generelle Arbeit mit dem Pferd grundlegend überdacht, denn Kurs inspiriert auch stark zum Hinterfragen (Bsp. Hilfszügel). Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung, für diese meiner Meinung nach Pflichtlektüre in Sachen Longenarbeit!

Infos zum Kurs
Originaltitel:Der neue Longenkurs – Verbessert, überarbeitet und umfassend ergänzt: ein Trainingsprogramm nach den Grundsätzen der Biomechanik des Pferdes
Autor:Babette Teschen, unter Mitarbeit von Tania Konnerth und Lisa Kittler
Copyright: Babette Teschen & Tania Konnerth GbR
Erhältlich unter: www.wege-zum-pferd.de
Jahr:2011

Buchrezension: Bodenarbeit und Führtraining: So bleibt ihr Pferd gesund und fit von Britta Reiland

Rezension

Tierphysiotherapeutin Britta Reiland gibt Kurse zum Thema Bodenarbeit und geht dabei besonders auf die Biomechanik des Pferdes, sowie dessen natürliche Schiefe ein. Ihr Trainingskonzept basiert auf einem starken Vertrauensverhältnis zwischen Pferd und Reiter, sowie einem artgerechten, gesunderhaltenden und konsequenten Umgang im Alltag. In Ihrem Buch „Bodenarbeit und Führtraining – So bleibt ihr Pferd gesund und fit“ beschreibt sie ein maßgeschneidertes Ausbildungsprogramm für eine abwechslungsreiche und sinnvolle Beschäftigung mit dem Pferd vom Boden aus.

Zu Beginn des Buches lädt die Autorin dazu ein, mithilfe eines Selbsttestes, den Typ des eigenen Pferdes zu bestimmten. Das Ergebnis soll dem Leser helfen die individuelle Startübung maßgeschneidert auf den eigenen Pferdetyp zu finden. Zudem kann dadurch nach einigen Wochen Training die Veränderung des Pferdes sichtbar gemacht werden.

Im ersten Teil beschreibt Britta Reiland typische Alltagssituationen zwischen Pferd und Mensch. Sie geht dabei auf mögliche Probleme ein, welche im großen Kontext eine starke Auswirkung auf die gesamte Arbeit mit dem Pferd haben können. So kann schon ein Abwenden des Pferdes auf dem Paddock auf eine falsche Rangordnung zwischen Mensch und Pferd hinweisen. Sie gibt anschließend gezielte Übungen zum Lösen der Probleme vor. Diese Grundlagen im alltäglichen Umgang, so sagt sie, sind der Schlüssel für die erfolgreiche weitere Arbeit mit dem Pferd. Anschließend gibt die Autorin einige allgemeine Hinweise, die jeder Pferdemensch beim Trainieren beachten sollte. Man sollte sich immer wieder verinnerlichen, dass die vorgegebenen Ziele nicht immer sofort zu erreichen sind. Britta Reiland rät dazu, sich Zeit zu nehmen, so viel wie eben nötig ist, sich selbst nicht unter Druck zu setzen und auch mal Rückschläge zu akzeptieren. Ich persönlich denke diese Worte treffen auf das gesamte Miteinander zwischen Mensch und Pferd zu und finde es sehr gut, dass die Autorin sich diesem Thema vor Beginn des eigentlichen Übungsprogrammes annimmt.

Es folgt eine kurze Erläuterung der Hilfsmittel. Britta Reiland legt sich hier auf keine Zäumung fest, sondern rät vielmehr dazu, das gewohnte aber gut sitzende Zubehör zu benutzen. Und schon geht es los mit dem zweiten Teil und einem Überblick über das gesamte Führübungsprogramm. Es werden insgesamt 12 Übungen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades vorgestellt. Dazu gibt es tabellarisch erfasste Trainingspläne, die das Erreichen der vorgestellten Ziele erleichtern sollen. Übung 1 bis 5 nennt sie Basisübungen, die unbedingt sitzen sollten. Bei jeder Übung erklärt die Autorin sehr detailliert, was gefordert ist, wie man es umsetzt und was dabei schief gehen kann. Durch diese genaue Beschreibung fällt es einem leicht sich die richtige Ausführung der Übung bildlich vorzustellen. Bei den ersten 5 Übungen geht es vor allem um die richtige Position beim Führen, das Tempo, das Anhalten, das Wechseln der Führseite und das Zirkeln bis hin zur leichten Biegung. Zunächst erscheinen die Aufgaben recht simpel, doch wenn man sie dann einmal selbst mit dem Pferd bewusst ausprobiert, so merkt man schnell, wie schwer und damit wie wichtig diese Grundlagenarbeit ist.

Weiter geht’s mit den 5 Folgeübungen, welche den Schwierigkeitsgrad nun Stück für Stück erhöhen. Man merkt beim Lesen schnell, dass die Autorin ihr physiotherapeutisches Fachwissen in die Entwicklung der Übungen mit einfließen lassen hat. Sie erklärt sehr detailliert, welche Übung für welche Muskelgruppe besonders gut ist und auch welche Risiken bei der falschen Anwendung entstehen können. So kann eine zu früh zu stark geforderte Biegung zu schädlichen Ausweichbewegungen führen. Die Übungen 6 bis 10 bestehen aus verschiedensten Zirkeln und Volten und enden mit ersten Bodenarbeitsstangen. Auch hier erklärt sie wieder sehr ausführlich das Vorgehen und worauf man besonders achten muss. Die letzten beiden Übungen sind nun für Fortgeschrittene, denn es folgt die Einbindung des Trabes.

Im dritten Teil des Buches geht es um die Arbeit mit Bodenelementen. Diesem Trainingsschritt sollte man sich, so rät die Autorin, erst widmen, wenn Übung 1 bis 12 sitzen. Sie erklärt zunächst den Sinn der Arbeit mit Bodenhindernissen und erklärt anschließend, dass das weitere Training vor allem vom jeweiligen Pferdetyp abhängig ist. Sie beschreibt nun sehr genau anhand von charakterlichen und bewegungstechnischen Besonderheiten, wie sich die Eigenheiten der unterschiedlichen Pferdetypen bemerkbar machen und wie man darauf gezielt einwirken kann. So gibt es beispielsweise die Eiligen, welche häufig eine gewisse Grundanspannung mitbringen, die es zunächst zu lösen gilt. Es gibt aber auch das Pendant dazu – die Faulen, welche mehr motiviert werden müssen als andere. Britta Reiland beschreibt noch 8 weitere unterschiedliche Typen, und empfiehlt für jedes Problem gezielte Übungen und Ansätze zur weiteren Arbeit.

Anschließend geht es nun um die konkreten Bodenhindernis-Übungen. Jede einzelne Übung wird sehr übersichtlich via Skizze veranschaulicht. Es gibt verschiedene Variationen im konkreten Ablauf, sodass man abwechslungsreich mit jedem Hindernis arbeiten kann. Auch hier werden wieder das jeweilige Ziel, der Weg dorthin und worauf man besonders achten muss beschrieben. Auch werden wieder die konkret trainierten Muskelgruppen benannt.  Der Schwierigkeitsgrad nimmt von Übung zu Übung zu und auch der Aufwand vom Aufbau der Hindernisanordnungen steigert sich. Viele Fotos veranschaulichen zudem die Arbeit und die Postion des Menschen dabei.

Wer nach langem Lesen Angst bekommt, dass er nicht genügend Hindernisse zur Verfügung hat, dem wird auf den letzten Seiten des Buches geholfen. Ein besonderes Lob gibt es für die kostengünstigen Basteltipps der Autorin, denn nicht Jeder hat eine volle Ausstattung an Stangen und Pylonen im Stall stehen.

Insgesamt ein sehr gelungenes Buch, was sowohl für Fortgeschrittene in Sachen Bodenarbeit, als auch für Neueinsteiger eine sehr sinnvolle Investition darstellt. Vor allem der Fokus auf die Gesunderhaltung durch die beschriebenen Übungen ist besonders Lobenswert. Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung.

Die Autorin Britta Reiland hat sich die Zeit genommen mir ein paar Fragen zu beantworten. Zum Interview kommt ihr mit dem folgenden Link.

Infos zum Buch
Originaltitel:Bodenarbeit und Führtraining: So bleibt ihr Pferd gesund und fit
Autor:Britta Reiland
Verlag: Müller Rüschlikon
Ort: Stuttgart
Jahr:2014
ISBN: 978-3-275-02005-8