Interview mit NHS Trainerin und Autorin Jenny Wild

Jenny Wild ist Natural Horsemanship Trainerin mit Leib und Seele. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Peer Claßen gibt Sie Kurse und legt dabei Fokus auf eine tiefe Vertrauensbasis und eine echte Freundschaft zwischen Pferd und Mensch.

Sie hat bereits zwei Bücher geschrieben: Von Pferden lernen, sich selbst zu verstehen (zur Rezension) und das Übungsbuch Natural Horsemanship (zur Rezension). Ich habe die Chance genutzt und ihr ein paar Fragen zu ihren Büchern und ihrem Leben mit den Pferden gestellt.


Linda: Hallo Jenny. Vielen Dank, dass du dir etwas Zeit nimmst, um mir und den Lesern ein paar Fragen zu beantworten. Wie bist du eigentlich zum Natural Horsemanship gekommen und gab es einen Trainer oder Mentor, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Jenny: Hallo Linda, erst einmal ganz lieben Dank, dass du mich eingeladen hast, dieses Interview mit dir zu führen! Deine interessanten Fragen haben mich sehr motiviert!

Mit dem Natural Horsemanship ging es mir, wie den meisten anderen auch, mein damaliges Pferd Paul ging nicht auf den Pferdeanhänger und so brauchte ich eine Lösung. Meine Freundin hatte das gleiche Problem und so kamen wir durch glückliche Umstände an das Heimstudium für den Level 1 von Parelli und haben in ziemlich kurzer Zeit unsere Level Abnahme per DVD bestanden. Das Beeindruckende für mich war die Erkenntnis, dass ich natürlich nicht nur ein Verladeproblem mit meinem Paul, sondern noch sehr viele andere, teilweise ziemlich gravierende Probleme und Wissenslücken hatte. Fasziniert hat mich aber vor allem, dass ich auf einmal eine Möglichkeit hatte, viele Probleme autodidaktisch zu lösen. Es war eine der besten Errungenschaften überhaupt, dass es auf einmal nicht mehr nur um Probleme, sondern vor allem um tolle Ziele ging, die zu erreichen ich  mir kurz vorher noch gar nicht hätte träumen lassen. Natürlich reichte uns das Heimstudium nicht aus, und so besuchten wir unzählige Kurse bei vielen namhaften Horseman, angefangen mit Birger Gieseke, und im Laufe der Jahre bei Ralf Heil, Honza Blaha, Silke Vallentin, Karen Rohlf, Ian Benson, Alfonso Aguilar, Thomas Günther, Buck Brannaman, Jean- FranciosPignon und noch einigen anderen! In Erinnerung geblieben sind sie mir alle und ich weiß, dass mein heutiges Wissen eine Zusammensetzung ist aus vielem, was ich bei diesen Menschen gelernt habe. Besonders beeindruckt und beeinflusst hat mich aber auf jeden Fall Jean- FranciosPignon! Er hat mich und Peer so tief mit in die Welt der Pferde genommen, dass ich es gar nicht beschreiben kann. Ich bin so froh, dass wir die Möglichkeit hatten 5 Tage seiner Arbeit beizuwohnen – auf 2 Kursen und einem tollen Demotag!


Linda: In deinem Buch „Übungen Natural Horsemanship“ beschreibst du, dass es drei Arten von NEIN-Reaktionen seitens des Pferdes gibt. Woher weiß ich, welche davon zutrifft?

Jenny: Diese Frage ist nicht ganz so leicht zu beantworten, denn zu erkennen, welches NEIN mein Pferd mir gerade sagt, verlangt schon eine Menge Beobachtungsgabe, Erfahrung und Gefühl. Grundsätzlich ist es erst einmal wichtig, überhaupt zu erkennen, dass das Pferd mir NEIN sagt, denn dies ist eine Aussage, die ich unbedingt ernst und wichtig nehmen sollte, denn sie impliziert, dass etwas für mein Pferd nicht in Ordnung ist. Man hört so häufig Aussagen wie: „Er hat mal wieder keinen Bock!“ oder „Er stellt sich mal wieder mal an!“ In noch heftigeren Fällen sieht man Menschen, die mit Gerten, Sporen und Stimme auf ihr Pferd „einwirken“, um es zu irgendetwas oder irgendwohin zu bewegen, ohne auch nur ansatzweise darüber nachzudenken, dass es einen Grund geben könnte, dass das Pferd den „Wunsch“, besser wohl den Willen des Reiters, nicht einfach so umsetzt.

Ich kann immer nur wieder betonen, wie wichtig es ist, sein Pferd immer genau zu beobachten und zu lernen sein Pferd richtig zu lesen! Es gibt kaum etwas was so unfair ist, wie Fehlinterpretationen, die selten zum Ziel aber häufig zu weiteren Problemen führen. Sowohl in unserem neuen Übungsbuch, aber vor allem auch in unserem Kurs „Pferde verstehen und motivieren“ beschäftigen wir uns sehr ausführlich mit dem Thema „Pferde lesen“! Es macht so einen unglaublichen Unterschied, auf einmal in der Lage zu sein, die kleinen Zeichen des Pferdes zu lesen und eine Bedeutung dahinter zu erkennen! Kleine Zeichen werden auf einmal wichtig und schaffen riesige, positive Veränderungen. Hier geht es den Pferden natürlich genau wie uns Menschen. Man fühlt sich am besten, wenn man verstanden wird.

Zum besseren Verständnis gehe ich gerne noch mal etwas genauer auf die 3 NEINS ein:

NEIN, das kann ich nicht! Hierfür kann es verschiedene Gründe geben: Wenn das Pferd körperliche Probleme hat, die ihm Schmerzen bereiten, wird es viele vom Menschen gestellte Aufgaben nicht entspannt und motiviert ausführen können, weil es einfach körperlich dazu nicht in der Lage ist. Pferde sagen uns immer die Wahrheit! Wenn unser Pferd sich also weigert bestimmte Dinge zu tun, die es entweder in der Vergangenheit schon geschafft hat, oder die nicht besonders schwierig sind, sollte ich erst einmal prüfen, ob körperlich alles in Ordnung ist. Natürlich können aber auch seelische Probleme ein Grund für diese Art von Nein sein. Ein gutes Beispiel ist sicherlich immer der Anhänger. Hier sagen die Pferde selten NEIN, weil ihnen das Verladen Schmerzen bereitet, aber vielleicht verbinden sie Schmerz, ganz sicher aber Ängste mit dem Hänger! Eine weitere Variante für dieses NEIN könnte sein, dass ich mein Pferd schlichtweg überfordere: Wenn ich meine Amy, die gerade so über eine Tonne springen kann, fragen würde, ob sie über einen 1,60 m Oxer springen würde, wäre ihre Antwort garantiert: NEIN, das kann ich nicht! Und wie jedem klar sein dürfte, ist dies nicht böse gemeint, sondern ganz schlicht und einfach ein Fakt. Ihr könnt mich auch gerne mal fragen, ob ich einen Spagat kann…

NEIN, das weiß ich nicht! Dieses NEIN sagen Pferde sehr häufig, wenn sie mental und emotional überfordert sind oder der Mensch sich einfach zu undeutlich ausdrückt. „Andere Pferde machen das doch auch!“, hilft hier sicherlich genauso wenig weiter, wie: „Ich will aber, dass du das jetzt tust!“  Wir sehen leider so häufig Menschen, die ihren Pferden Aufgaben stellen, bei denen die Hilfengebung nach außen hin für Peer und mich schon überhaupt nicht zu erkennen ist. Nicht weil die Menschen so gut sind und die Hilfe schon fast unsichtbar ist, sondern weil die Frage so unlogisch und häufig sogar einfach falsch ist, dass eine richtige Antwort nur reiner Zufall sein kann. Ich persönlich kann jedem nur raten, sehr gut zu werden in seiner Körpersprache und in seinem Körpergefühl. Wenn das Pferd etwas nicht versteht, liegt es nicht am Pferd, sondern immer an uns! Im Übrigen macht es auch extrem viel Spaß seinem Pferd mit viel Gefühl und Empathie zu erklären, was man eigentlich von ihm möchte. Es wird nicht sehr lange dauern, bis aus dieser Art von NEIN ein motiviertes JA wird!

NEIN, ich mache es nicht! Auch dieses NEIN hat vorrangig etwas mit uns zu tun, weil das Pferd uns schlicht und ergreifend nicht glaubt! Jean- FranciosPignon hat immer gesagt, dass Pferdeuns ständig EINE Frage stellen: „Bist du wirklich stark?“ was so viel heißt, wie.„Kann ich mich wirklich auf dich verlassen?“ Dies ist die Natur des Pferdes und es bedeutet für dieses quasi wirklich sein Todesurteil, wenn es sich in inkompetente Hände begibt (zumindest aus Pferdesicht gesehen – für die Menschen, die nicht an sich arbeiten, kann es leider auch schnell mal umgekehrt sein). Wenn das Pferd also in solchen Fällen das Handeln verweigert, liegt es mit großer Wahrscheinlichkeit daran, dass es dem Menschen einfach nicht glaubt und ihn nicht genügend wahrnimmt. Es respektiert seinen Menschen also nicht (Respekt = Wahrnehmung). Das Pferd sagt nicht: „Ich bin besser als du!“, oder: „Ich bin mir so sicher!“, sondern ganz im Gegenteil sagt es: „Du bist nicht gut genug, um mir Sicherheit zu geben und ohne einen starken Partner bin ich auf mich allein gestellt, was mir Angst macht!“ Die Energie, die Menschen in solchen Situationen aufbringen, wird das Pferd in der Regel zu Flucht- oder Angriffsreaktionen veranlassen. Wie auch zuvor kann ich nur jedem raten hier viel an sich zu arbeiten und niemals dem Pferd die Schuld zu geben!


Linda: Wenn ich meinem Pferd eine Frage stelle, dann soll ich diese stets bis zu Ende stellen, aber wie lang darf ich mich tatsächlich mit einer Übung befassen und wann sollte ich besser abbrechen, um mein Pferd nicht zu überfordern?

Jenny Wild 3

Jenny bei der Arbeit

Jenny: Hier kann ich dir erst einmal nur die Standardantwort geben: „Es kommt drauf an!“ Es gibt meistens Extremata unter den Pferdeleuten. Die einen sind zu schnell sauer und werden wütend auf ihr Pferd, wenn es nicht so reagiert, wie sie es gerne hätten, die anderen haben Angst ihrem Pferd weh zu tun, wenn sie konsequent sind. Wie bei den meisten Extremfällen ist beides weder sinnvoll noch gerecht für das Pferd. Die Menschen, die ohne vorher nett und freundlich mit viel Gefühl ihre Frage zu stellen, gleich viel Druck machen, werden ihrem Pferd sicher Angst machen und es im schlimmsten Fall irgendwann mental, emotional und physisch abstumpfen. Die Menschen, die Angst haben konsequent zu sein und Fragen tatsächlich zu Ende zu stellen, werden in der Summe leider viel mehr Energie aufwenden und immer schlechtere Antworten bekommen, weil sie ihr Pferd schlicht und ergreifend desensibilisieren. „Das was ich sage, hat eigentlich keine Bedeutung!“ Es strahlt für das Pferd Unsicherheit aus, weil der Mensch sich nicht sicher ist, ob es richtig oder falsch ist, was er gerade tut. Die Desensibilisierung kann leider sogar dazu führen, dass Pferde beginnen Schmerzen zu ertragen. Die fehlende Konsequenz lässt sie ausharren. Das Resultat ist dann, dass die Menschen, die Angst haben ihrem Pferde weh zu tun, ihm viel mehr wehtun! Und hier kann ich nur wieder auf das Zitat von Jean- FranciosPignon hinweisen, in welchem das Pferd für seine eigene Sicherheit nach einem starken Partner sucht, der weiß, was er tut, ohne sauer zu werden! Die Grunddevise sollte immer lauten: freundlich aber bestimmt!

Wenn ich mit meinem Pferd in eine Situation gerate, wo z. B. äußere Einflüsse oder der emotionale Zustand des Pferdes die Aufgabe, in welcher wir gerade stecken, unmöglich macht, ist es überhaupt kein Problem, diese vorzeitig zu beenden und sich viel besser um die gemeinsame Sicherheit zu kümmern. Das Pferd wird sich nicht merken: „Ach so, ich brauche nur Todesangst zu bekommen und schon hört mein Mensch auf!“ Aber es wird wissen, dass der Mensch die Situation gut eingeschätzt hat, und dem Pferd im Endeffekt helfen konnte. Das ist wichtiger als jede Aufgabe und Übung.

Ein anderes Problem kann aber auch sein, dass der Mensch das Gefühl hat, er müsse Aufgaben so lange mit dem Pferd üben, bis diese perfekt sitzen. Das frustriert beide Seiten und wird das Pferd irgendwann dazu zwingen die Kompetenz des Menschen in Frage zu stellen. Jeder kleine Versuch in die richtige Richtung sollte belohnt werden. Je kürzer die Einheiten und je größer die Bestätigung, umso schneller wird der Lerneffekt eintreten. Pferde lernen so viel schneller als wir denken und meistens wissen sie beim nächsten Mal ganz genau, was wir von Ihnen wollen. Es sollte jedem Menschen bewusst sein, dass Pferde IMMER lernen! Wenn wir also inkonsequent und inkompetent in unseren Fragen sind, wird das Pferd in allerkürzester Zeit wissen, was es von uns zu halten hat und sich dementsprechend verhalten. Aber hier geht es uns Menschen ja ganz genauso…


Linda: Wie viel Zeit genau sollte ich meinem Pferd zum Rückzug als Belohnung geben? Und muss es während dieser Zeit mit der Aufmerksamkeit bei mir sein, oder darf es sich beispielsweise abwenden und Fressen?

Jenny: Was denkst du, wie meine Antwort lautet? „Es kommt drauf an!“ Grundsätzlich vielleicht: Je schwerer es dem Pferd gefallen ist die Lösung zu finden und je länger es gedauert hat, umso länger sollte auch die Belohnung sein! Jeder kann nur für sein Pferd herausfinden, wie viel Rückzug sinnvoll und vor allem notwendig ist. Meine Devise ist immer, dass es nie zu viel Rückzug geben kann! Er bringt uns und das Pferd aus der Situation und der Aufgabe heraus, verhilft uns zum Entspannen und zum Nachdenken. Ein kurzer Rückzug könnte z. B. sein, wenn man einfach mal kurz von der Aufgabe weggeht, sofort wieder zurück kehrt und dann gleich erneut fragt. Ein größerer Rückzug kann aber gut auch einige Minuten dauern. Insgesamt spielt auch die Persönlichkeit des Pferdes eine große Rolle. Introvertierte Pferde brauchen einen viel größeren und längeren Rückzug als extrovertierte Pferde. Im besten Fall sollten auch wir Menschen uns von diesen Pferden zurück ziehen, damit sie in der Lage sind sich zu entspannen und über die Aufgabe nachzudenken. Bei extrovertierten Pferden kann der Rückzug bedeuten, dass es sich bewegen oder spielen darf. In der Regel fällt es diesen Pferden danach viel leichter, sich wieder auf die Aufgabe zu konzentrieren! Auch an dieser Stelle kann ich nur auf unseren Kurs „Pferde verstehen und motivieren“ verweisen, in welchem diese Thematik, gerade auch was intro- und extrovertierte Pferde angeht, nur wärmstens empfehlen. Der Rückzug sollte auf jeden Fall so lange dauern, bis das Pferd ein positives Zeichen von Entspannung oder anderer Veränderung zeigt, dann kann ich weiter machen!


Linda: Eine Frage, die mir persönlich sehr am Herzen liegt, wie schaffst du es in schwierigen Situationen mit dem Pferd, nicht emotional zu werden und dabei nicht überzureagieren?

Jenny: Ich freue mich, dass du diese Fragen stellst, weil ich mir sicher bin, dass diese Fähigkeit eine der aller schwierigsten Dinge darstellt, die wir Menschen überhaupt lernen können! Und ehrlich gesagt habe ich auch bis jetzt nur einen Menschen gesehen, der es hinbekommt!

Als mir klar geworden ist, dass es für Menschen nichts einfacheres gibt, als Pferden Angst zu machen und es auf der anderen Seite kaum etwas schwierigeres gibt, als zerstörtes Vertrauen wieder aufzubauen, habe ich mir noch mehr Mühe gegeben, nicht emotional zu werden. Was mir auf jeden Fall sehr viel hilft ist der Grundtenor meines ersten Buches „Von Pferden lernen sich selbst zu verstehen“, indem ich darüber nachdenke, was es für mich bedeutet, wenn jemand mein Vertrauen missbraucht hat, und wie lange es dauert, bis ich diesem Menschen wieder wirklich vertrauen kann!

Wenn ich merke, dass ich es nicht mehr schaffe, geheich, wenn möglich, so lange woanders hin und lasse mein Pferd in Ruhe, bis ich meine Emotionen wieder im Griff habe! Oder ich gebe uns beiden eine entsprechende Pause, wenn ich an einem Ort bin, wo ich mich nicht von meinem Pferd und meinen Gefühlen zurückziehen kann. Ich weiß natürlich, dass es immer so viel leichter gesagt, als getan ist, und Peer und mir passiert es natürlich auch andauernd, dass wir merken, wie die Emotionen Überhand nehmen und man die Situation bzw. sich selbst, nicht mehr so unter Kontrolle hat, wie man es gerne hätte. Das ist nun einmal menschliches Verhalten. Aber genau dieses Verhalten führt ja auch in allen anderen Beziehungen regelmäßig zu Streit und schlechten Gefühlen! Hier empfinde ich es als extrem wichtig zu merken, dass man unfair war und danach weiter an sich selbst arbeitet, um beim nächsten Mal besser zu reagieren. Niemand ist perfekt, wenn man aber stark genug ist eigene Fehler zu erkennen und etwas an sich zu ändern ist man auf einem guten Weg ein guter Pferdemensch zu werden!


Linda: Ich war von deinem ersten BuchVon Pferden lernen, sich selbst zu verstehen: Durch Selbsterkenntnis zu mehr Pferdeverständnis” (zur Rezensionebenfalls sehr begeistert. Dabei gefällt mir vor allem dein Umdenken, Pferde nicht in Menschenschemata rein zwängen zu wollen, sondern sich selbst stetig zu reflektieren und an die Pferdewelt anzupassen. Wie kamst du zu diesen Erkenntnissen und was hat dich dabei inspiriert?

Jenny: Man hört so oft, wie unterschiedlich Pferde und Menschen sind. Dies begründet sich daraus, dass Pferde Fluchttiere und wir Jäger und Sammler sind, also keine reinen Raubtiere, aber auch keine reinen Fluchttiere. Und genau hier liegt der Punkt. Dieser Unterschied begründet sich vor allem in der Tierordnung und den artspezifischen Merkmalen. Das Pferd ist jedoch nicht nur ein Fluchttier sondern auch ein Herdentier und somit genauso wie der Mensch ein gesellschaftliches Wesen, dass auf das Zusammensein mit der Gruppe angewiesen ist. Hieraus ergeben sich extrem viele Gemeinsamkeiten, die leider häufig gar nicht betrachtet werden. Während der letzten Jahre ist mir in unseren Kursen immer mehr klar geworden, dass wir nicht an den Pferden, sondern an uns selbst arbeiten müssen, und dass es für uns Menschen extrem viel leichter ist, sich in das Pferd hinein zu versetzen, wenn wir selbst versuchen zu fühlen, wie sich Angst, Unsicherheit, Hunger, Neugierde, Eifersucht, Zuneigung, etc. anfühlen. Dies sind nämlich Gefühle, die Pferde ebenso wie Menschen fühlen. Ich kann mir sehr viel besser vorstellen, was es für das Pferd bedeutet in den Pferdehänger zu steigen, wenn ich mir vorstelle, wie ich mich dabei fühlen würde, wenn mich drei Personen auf den 10 Meter Turm im Schwimmbad zwingen und dann runter schmeißen würden! Wahrscheinlich wäre ich beim nächsten Mal nicht entspannter, wenn diese Aufgabe käme und wahrscheinlich würde ich schon vermeiden überhaupt ins Schwimmbad zu gehen, wenn ich eben diese Leute und den 10 Meter Turm schon von Weitem sehen würde!

Mir hat es extrem geholfen mir vorzustellen, wie ich mich in entsprechenden Situationen fühlen würde und vor allem, was Pferd und Mensch helfen kann und so kam ich auf die Idee, dieses Buch zu schreiben.


Linda:  Noch eine letzte Frage, planst du oder ihr ein weiteres Buch?

Jenny: Peer schreibt schon seit einigen Jahren an seinem „ersten“ Buch. Im Moment findet er leider wenig Zeit daran weiter zu schreiben, aber ich bin mir sicher, wenn er es mal irgendwann fertig hat, wird es ein Buch sein, was es bisher so noch nicht gegeben hat.

Nach unserem Übungsbuch für die Grundlagen am Boden, wären natürlich noch mindestens 2 Bücher sinnvoll, über die weiterführenden Übungen und über die Grundlagen beim Reiten, aber da haben wir noch nichts Konkretes geplant! Jetzt ist erst einmal alles so spannend, wegen meines ersten Buches und vor allem wegen unseres gemeinsamen Übungsbuches, auf welches wir extrem stolz sind!

Deine Jenny