Über den guten Sitz des Reiters

„Hacken runter, gerade sitzen!“

Warum ist ein gut sitzender Reiter wichtig für das Pferd?
Wie komme ich als Reiter zu einem Sitz, der mein Pferd lange gesund erhält?

Das sind zwei Fragen, die sich sicher jeder Reiter und auch Reitlehrer stellt.
Wenn wir in diversen Fachbüchern nachschlagen, finden wir nur Ausführungen über den optimalen Sitz des Reiters. Es werden auf gezeichneten Bildern Linien gezogen, so z.B. die Linie zwischen Schulter-Hüfte-Absatz. Viele Reitlehrer orientieren sich daran und fordern ihre Reitschüler dazu auf, diese Linie einzunehmen. Was dabei nicht beachtet wird, ist, dass hier nur auf die formalen Aspekte eingegangen wird. Ein funktionales Reiten wird so kaum möglich sein. Denn beim Sitz des Reiters steht immer die Funktion vor der Form.

Was kann ich nun aber als Reiter tun, wenn ich Probleme habe, mein Pferd nicht aussitzen zu können oder wenn ich ständige Probleme mit der Anlehnung habe. Zuerst muss beleuchtet werden, in welchem körperlichen Zustand sich der Reiter befindet. Ein Großteil der Reiter betreibt wenig oder gar keinen Ausgleichssport zum Reiten. Genau hier aber liegen die Probleme. Ein Reiter, der eine sitzende Tätigkeit hat, womöglich den ganzen Tag mehr oder wenig krumm vor einem Computer sitzt, wird am Ende seines Arbeitstages kaum die Möglichkeit haben, in der Reitstunde gerade und aufgerichtet zu reiten. Der Reitlehrer von unten sieht natürlich den Rundrücken und weist an, dass der Reiter sich gerade hinsetzen soll. Vielleicht schafft der Reiter es auch zwei Runden, danach wird er wieder in seine gewohnte Sitzhaltung
fallen, Der Reiter ist in der Rückenregion blockiert. Diese Blockade wird sich auch auf andere Körperbereiche auswirken, da ein harmonisches Mitschwingen nicht möglich ist. Kann ich nun als Reiter nicht mehr mitschwingen, mein Becken nicht mehr dreidimensional einsetzen, wird auch mein Pferd über kurz oder lang Schwierigkeiten im Becken bekommen, bzw. es verliert seinen natürlichen Vorwärtsdrang, der Rücken des Pferdes kommt nicht zum Schwingen. Reiter, die dauerhaft und über Jahre gegen die Bewegung sitzen, schaden damit ihrem Pferd. Nur ein losgelassener, durchlässiger Reiter ermöglicht ein zufriedenes Pferd.

Da wir alle ein harmonisches Miteinander mit den Pferden wollen, die Pferde gesund bleiben sollen, müssen sich Reiter und Pferd in einem gemeinsamen Gleichgewicht befinden. Für den Reiter heißt das, dass er sein Gleichgewicht schulen muss. Das ist zum einen das vestibuläre System, welches sich im Innenohr befindet und zum anderen das kinästhetische System, bei dem eine Vielzahl von Rezeptoren an Muskeln, Sehen und Gelenken dafür sorgen, aus einem Ungleichgewicht in ein Gleichgewicht zu kommen. Beide Systeme lassen sich nur durch viel Bewegungserfahrung im Alltag oder zusätzlichen Sport schulen. Für den Reiter bedeutet das, dass er neben seinem Pferd auch sich selbst mehr bewegen muss, um zufrieden und harmonisch mit seinem Pferd trainieren zu können. Besonders empfehlenswert für Reiter sind Yoga und Feldenkrais. Aber auch unterschiedliches Laufen wirkt sich positiv auf den Sitz aus. Alles was monoton ist, sollte vermieden werden.

Quelle: Eckart Meyners Bericht in „Stallgeflüster“ April 2014

© Tanja Schulze

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